intellectual property rights, music industry

Richter und Realität

Ein Richter am Amtsgericht in Meschede stellte ein strafrechtliches Urheberrechtsverfahren angesichts verbleibender zivilrechtlicher Ansprüche gegen den Angeklagten gegen Zahlung von 2300 Euro Geldbuße ein. Laut heise online soll sich der Richter folgendermaßen zum Thema geäußert haben:

[E]s [gebe] beim Thema „Raubkopie“ ein nicht besonders großes Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung. „Wenn man wahllos eine Durchsuchung machen würde, würde man vermutlich bei jedem Zweiten eine gebrannte CD finden“

Gebrannte CDs sind zwar nicht a priori illegal – meine zum Beispiel enthalten zumeist meine eigenen Songs – und es gibt schließlich auch nach wie vor ein Recht auf Privatkopie, wenn auch schon deutlich durchlöchert. Allerdings stimmt die Einschätzung natürlich tendenziell – wenn er auch noch nicht den nächsten gedanklichen Schritt vollzogen hat, nämlich den, nicht länger zu versuchen, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Veänderung der ökonomischen Struktur einer Branche zu wehren. Da ist er allerdings nicht allein – allerdings stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt.

Ob er wohl am Abend bei seinen Kindern nach gebrannten CDs gesucht hat?

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almost a diary, music, music industry, songwriting

B612 Songwriter Meeting

B612 Song Convention It’s been an awful long time since the last entry in this blog. But that is, fortunately, much rather a consquence of being too busy than of a lack of activity – and, just as a reminder – you can always listen to some of the songs I’ve written this year on my profile page on songramp.com. You can also always send me an email to this address: ts_infolists@web.de. And, well, yes, I will also offer them on myspace soon, as a myspace account seems to be as important for musicians as an email address for the rest of the world.

How do I know? Well, contrary to my usually rather secluded way of writing, this week, I went to Berlin to participate in a songwriter meeting with a number of songwriters from different countries with very different backgrounds. Some of them were experienced songwriting professionals, others, like myself, were not. The meeting was part of a very impressive and informative event called Song Convention that was organised by B612, an innovative Berlin-based management and publishing company run by some very friendly people who are visibly in love with what they do (they’re using javascript for the links, so there is no direct link to the Song Convention page – just open their page and click on ‚publishing‘, then ‚events‘).

And that showed. I might write something more detailed about my impressions of and the experience I gained at the Song Convention later – with a little more distance and time to write – but for the moment, let me conclude by saying that I thoroughly enjoyed the opportunity to work with some stunningly talented people as well the creative adventure that was starting to write a supposed hit song at noon and present it pre-produced at 6 pm. And I was really happy with the results, which, of course, yet unfortunately, I cannot present here.

And now I’m off to enjoy some of the acoustic benefits of being in Berlin during the PopKomm trade fair.

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Zweiter Korb der Urheberrechtsnovelle

Wie sich ja schon während der vergangenen zweieinhalb Jahre im Laufe der Ausarbeitung des zweiten Korbes zur Änderung des deutschen Urheberrechts abgezeichnete, hat die Bundesregierung mit dem heute vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf verpaßt, ein der Gesamtproblematik angemessenes Gesetz zu verabschieden.

Die Bundesregierung sich zumindest in einem ersten Schritt der von der „Inhalteindustrie“ vertretenen Sichtweise angeschlossen, das eine weitere Aushöhlung des Rechts auf Privatkopien (jetzt mit Strafandrohung bei Verstoß auch im nicht-kommerziellen Bereich) im Zusammenspiel mit technischen Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums, dem sogenannten Digital Rights Management (DRM), sinnvoller sind als eine konzeptionelle Anpassung von überholten Eigentumsbegriffen in der digitalen Welt.

Dabei war vermutlich auch ausschlaggebend, daß die Vorlage so wie heute beschlossen wohl kaum in Karlsruhe bestand haben dürfte, angesichts der Tatsache, daß es einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch gegenüber Internet Service Anbietern schaffen wird, der sämtlichen bestehenden Datenschutzdoktrinen zuwider läuft.

Ebenfalls dürfte eine Rolle gespielt haben, daß das Gesetz generell, insbesondere aber ohne diesen Anspruch generell nicht durchsetzbar sein wird.

Daß die deutsche Politik sich hiermit erneut von ihrem gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch verabschiedet ist traurig, gerade angesichts der Tatsache, daß die französische Assemblée Nationale sich in dieser für die Zukunft von Wissensgesellschaften so eminent wichtigen Frage wieder als Ort gesellschaftlicher Debatte etablieren konnte – auch wenn das gestern verabschiedete franzäsische Ergebnis auch nicht wirklich zur Lösung des Problems taugt.

Man wird sehen, ob das französische Beispiel im Bundestag Früchte tragen wird. Allerdings ist meine Hoffnung gering.

Netzpolitik.org hat jede Menge anderer Reaktionen zum Kabinettsbeschluß zum 2. Korb des Urheberrechts.

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The Day The Music Died.

Ok, vielleicht nicht gleich die ganze Musik. Aber wenn sich irgendwann in der nicht mehr ganz so fernen Zukunft Plattenfirmen mal fragen sollten, was da am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts so falsch gelaufen ist und warum eigentlich, dann werden sie sich vielleicht an „das nächste große Ding“ erinnnern, die Episode mit Grup Tekkan, den drei Jungs, deren im Jugendzentrum aufgenommenes Video über das Internet zu TV Total gewandert ist und jetzt vielleicht ab Ende der Woche im Schallplattenhandel ihrer Wahl zu finden sein wird – oder natürlich überall im Netz.

„Grup Tekkan“ – eine lustige Geschichte in (vorläufig) sechs Kapiteln:

  1. Exposition: n¦tropie – „The next best thing“
  2. Ausarbeitung: Spreeblick – „Wo bist Du mein Sonnenlicht“
  3. Höhepunkt: Spreeblick – „Sonnenlicht reloaded“
  4. Wendepunkt: Spiegel Online – „Konkret Kopiert“
  5. Auflösung:n¦tropie – „F.A.Q.“
  6. Epilog:Spreeblick – „Ich werde doch noch Fan“

Ich finde es bemerkenswert, daß die deutsche Blogosphäre immer nur dann eine große Öffentlichkeit bekommt, wenn sie sich so verhält wie der Rest der Medien und eine Sau durchs Dorf treibt. Wird es auch in Deutschland mal einen „Trent-Lott-Moment“ geben, eine Situation, in der Blogs ein wesentliches Versäumnis der etablierten Medien aufdecken und sich als journalistisches Medium etablieren (jaja, das „Bildblog“, ich weiß)?

Oder sind die deutschen Medien – bei aller Kritik – doch zu gut? Denn das distribuierte Medien eine signifikante Öffentlichkeit herstellen können, zumindest wenn sie einen Nerv treffen, das kann, spästestens seit Grup Tekkan, nicht mehr ernsthaft bestritten werden.

Vielleicht wird sich also nicht nur die Musikindustrie in der Zukunft an die Episode erinnern.

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Deutschland suchte den Superfreak.

Und hat einen gefunden. Sogar schon zum dritten Mal. Das denkt zumindest Wiebke Brauer, die für Spiegel online über die letzte Folge der dritten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ schreibt. Die von ihr gewählte Überschrift „Keiner kann gewinnen“ ist allerdings ein wenig irreführend: Das Format hat nicht umsonst schon mal den Bertelsmann Synergiepreis gewonnen. Und die Autorin selbst berichtet schließlich von zwei weiteren Gewinnern dieser Staffel:

Wer hätte gedacht, dass man sich statt dem maschinell agierenden Moderatorenpaar Marco Schreyl und Tooske Ragas jemals wieder die ehemaligen Gastgeber Carsten Spengemann und Michelle Hunziker herbeiwünschen würde.

Mehr? Bitteschön: Deutschland sucht den Superstar: Keiner wird gewinnen

“ … In den ersten Castings sangen sich 14.000 Jugendliche um – sofern vorhanden – Sinn und Verstand, der Zuschauer kringelte sich auf dem Sofa vor Amüsement angesichts so viel Selbstüberschätzung und Unvermögen. Der Grat zu RTL-Erfolgsformaten wie: „Upps – die Pannenshow“ ist schmal. Auch die letzten 20 Anwärter auf den Titel ließen es
herrlich an Talent mangeln. So befanden sich unter ihnen das
enervierende „DSDS-Küken“ Stephan Darnstaedt mit einem nicht zu stoppenden Tränenstrom, Daniel Munoz, der sich trotz semi-spanischer Herkunft und ganzer Gitarre nicht als Latin Lover erwies oder Fahrschullehrer Didi Knoblauch, der einmal ein Mädchen war. Deutschland sucht den Superfreak, so wollte man es sehen.

Sieben Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Show am gestrigen Abend, ein prächtiges Ergebnis. Dabei hatte im Vorwege niemand an den kommerziellen Erfolg der dritten Staffel geglaubt. Die Quoten der zweiten Auflage waren mäßig, nach den Gewinnern der vorhergehenden Shows krähte keine Hahn mehr – schon gar nicht nach schrillen Erscheinungen wie Daniel Küblböck. Doch der Erfolg der dritten Staffel überstieg alle Erwartungen: Sogar die von den zehn Finalisten besungene CD „Love Songs“ wanderte in den Charts von null auf eins. Nicht ganz unschuldig am Erfolg war auch die Kooperation mit der „Bild“-Zeitung, welche regelmäßig über sexuelle Vorlieben und Gemütszustände der letzten zehn Teilnehmer berichtete. …“

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I’ve been saying *THAT* since 1999…

I’ve been saying this for years – the most likely explanation for the ongoing copyright war is the socialised concept of (intellectual) property in most politicians‘ minds – it will take another generation and, liekely, as Volker Grassmuck argues below, a copyright induced knowledge-lock-up disaster until people will realise what has been done.

The occasional quote in German, you’ll just have to trust me that it confirms my statement above… – via heise.de

Volker Grassmuck, Forscher an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitgründer der Initiative Privatkopie.net, beklagte auf der Konferenz einen „Mental Lock-in“ bei den Politikern. Diese würden sich allein an dem Mantra festklammern, dass der immer stärkere Schutz geistiger Eigentumsrechte die Innovation fördere. Als Beispiel nannte er etwa die erste Evaluation zur umstrittenen EU-Datenbankrichtlinie. Darin sei klipp und klar nachgewiesen worden, dass das neue Schutzrecht den Informationsmarkt behindere, und nicht beflügele. Trotzdem habe die Kommission Gründe gefunden, um den eingeschrittenen Irrweg nicht zu verlassen. Ähnlich verhalte es sich beim Festklammern an der „chimärische Technologie“ des digitalen Rechtekontrollmanagements (DRM). Grassmuck geht davon aus, dass es erst eine „massive Wissens- und Informationskatastrophe braucht, um die geistige Blockade aufzubrechen“.

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They’ll get the pricing wrong.

For at least five years. If you search my blog you will find that I have repeatedly said that all attempts to sell musical downloads will suffer from problematic price policy. Apple’s new itunes download service is no exception. True, it is probably closer than anything previously seen to actually enhancing the user experience with digital music. According to wired news,

„… opening day downloads equaled the number of songs legally downloaded over a six-month period last year.“

But it is nonetheless bereft with a pricing dilemma. A dollar a tune is not always a justifiable price, even though NY Times columnist David Pogue is ridiculing criticism of this pricing policy.

In fact, for most downloads it is clearly too much, even though things are cheaper when an entire Album is downloaded – for 10 dollars. While a tenner a disk makes downloading for some albums cheaper than your local record store, it is, on the other hand, probably a prohibitive price for DRM protected material, and, moreover, a price justifiable only due to the channel conflict with the non-digital distribution universe, which still makes it necessary to spend millions on marketing songs to people who are not interested in them anyway. It is a price only justified if the advantages of the internet, especially in the realm of marketing to a smaller, but more appropriate audience, are not exploited.

Thus, a dollar a buck can just be the beginning. People will continue to negotiate this price by using KaZaa and Grokster. Record companies will continue to try to scare unwitting conservative politicians about „the end of property“ as well as send cease-and-desist letters to people sharing songs.

The big unknown variable is the political one. Will politicians be willing to understand the conventional definitions of property are just not appropriate in the digital age? Or will they allow the record industry to gain a windfall from perpetuating the economic structures of previous times for an unknown amount of time? I firmly believe that eventually, the social and economic institutions will adjust to a new reality.

But again, it is a matter of pricing. This time, a matter of the price that our information societies will be willing to pay for patrolling people’s hard drives and digitally fingreprinting their lives. Maybe US Sen. Santorum’s intervention telling homosexuals that they do not have a right to privacy came at the right time. I don’t know. But it is more important now than ever to tell people that digital privacy is an important issue. Something, many people were concerned about when it wasn’t a real issue yet, back in the 1980s.

Now that it is one, people don’t seem to realise that the same mechanism that allows to reduce the prices of individual songs could be the reason for the end of civil liberties as we know it. [ author off to pay to see a film in a real movie theatre…]

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intellectual property rights, Iraq, music industry, oddly enough, quicklink

They take no chances.

If this report by Telepolis is right, then Hillary Rose, the former chief RIAA lobbyist, is currently rewriting the copyright laws of Iraq. Just in case the Iraqi ideas about intellectual property rights should differ from the Digital Millenium Copyright Act (DMCA).

Actually, the journalist Gregory Palast is not unjustifiedly wondering whether the combination of sharia and the DMCA would result in hands being chopped off for filesharing. Hmm, I guess I am favoring a kinder, gentler version – just chop off the index-finger. After all, isn’t it always that bad guy that clicks on ‚download‘?

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Champagne Blogging

this is my first attempt at live-blogging, so give me some credit here… i am writing this on a public terminal in the museum fuer kommunikation in frankfurt, typing with only one hand, as i am holding a glass of champagne in the other. it is the „long night of museums“ here and on of the special exhibitions in this museum for communication puzzled me – it’s an exhibition about mp3 and the digital music revolution, including terminals running the popular „kazaa.com“ filesharing software.

did i miss something? i thought the revolution was still very much going on? what is this supposed to mean? is p2p filesharing already a part of history? could that be the reason no major label objected to this exhibition and it was even sponsored by Steinberg GmbH, maker of the well known studio software „cubase“.

i don’t know, but now is not the time to answer question of historic importance, so i will return to the party and leave you probably as puzzled as i am – albeit without champagne.

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