Low Level Violence in der ZEIT.
Am Weltfrauentag sind Krieg und Hass männlich.
Die Zeit online beginnt den Weltfrauentag mit einer überaus sexistischen Einführung…
Bei ZEIT online wollen wir Zeichen setzen. Deshalb sollen am 8. März unsere Titel und alle Bilder auf der Homepage weiblich sein. Wir wollen uns bemühen, keinen Krieg, keinen Hass in die Überschriften zu lassen. Wir setzen auf die weiblichen Substantive: auf die Liebe, die Leidenschaft und die Vernunft. Es wird sicherlich auch Überschriften geben, die von Missgunst, Krisen und Niedertracht handeln. Denn – nun ja – auch das sind weibliche Wörter.
Krieg und Hass sind also männlich, Mißgunst, Krisen und Niedertracht weiblich. Nun ja. Ich freue mich schon auf die feminisierten Schlagzeilen über Bomben im Irak und einen DAX-Tagesverlauf in weiblichen Kurven…
Auch wenn Feministinnen dieser These vielleicht nicht a priori zustimmen mögen, weibliche Gewaltstrategeien erscheinen, wie die allermeisten Anthropologinnen (Ladies first…) und Antropologen bestätigen werden, geprägt von sogenannter “low level” Gewalt. Manipulation und Intrige haben sich wohl vor allem aufgrund der größeren körperlichen Verletzlichkeit vor allem ihrer reproduktiven Organe zu den bevorzugten Waffen der Frau entwickelt. Pfeil und Bogen konnten auf diese Weise schließlich noch immer indirekt eingesetzt werden.
Männer sind ja den Vorurteilen sowie einer kaum überschaubaren Anzahl von Studien zufolge, einfacher zu durchschauen als Frauen. Insofern kann dann auch Empathie zur Waffe werden…
Letzte Woche übrigens fand ich auf der Webseite der deutschen feministischen Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch am Ende eines Artikels über das “globalisierte liniguistische Patriarchat” mit dem spannenden Titel “globale Entmannung” das interessante Statement eines alten Bekannten aus dem Lateinunterricht: Ich zitiere Frau Pusch -
Wie schon der alte Cato sagte: Wenn wir die Frauen gleichstellen, sind sie uns überlegen
Als ich Frau Pusch darauf hin per Email die Frage stellte, ob sich ein Feminismus, der von einer weiblichen Überlegenheit durch institutionelle Gleichbehandlung bei axiomatisch angenommener biologischer Superiorität der Frau ausgeht, bei Forderungen nach positiver Diskriminierung noch auf das “Gerechtigkeitsmotiv” beziehen kann, ließ sie mir eine Liste mit Menschenrechtsverletzungen zukommen.
Sie hat ohne Zweifel Recht – die Menschenrechte von Frauen werden in vielen Teilen der Welt mit den Füßen getreten. Solange und soweit “Feminismus” daher bedeutet, für die Durchsetzung von Menschenrechten einzutreten, sollte jeder vernünftige Mensch Feminist sein.
Aber auch am Weltfrauentag sollten wir das logisch problematische Element ihrer Aussage nicht völlig vergessen: Das fundamentale humanistische Argument der Gleichheit aller Menschen ist nur im Sinne von Gleichwertigkeit zu erfüllen – weil wir alle unterschielich sind, und von einigen Ausnahmen abgesehen, im Regelfall zu einem Geschlecht gehören und damit unterschiedliche Bedürfnisse haben. Absolute Gleichheit kann dieser Problematik logisch nicht gerecht werden.
Denn solange man in Deutschland mit Frauenvertreterinnen darüber streiten muß, ob Männer im Durchschnitt mehr Muskelmasse haben, ist eine wirkliche Diskussion überflüssig. Auch am Weltfrauentag sollte man daher klar sagen: Nicht nur Männer, sondern auch Frauen müssen sich ändern, wenn wir die Gleichwertigkeitsfrage einvernehmlich lösen wollen. Es wäre schön, wenn eine solche Entwicklung die Freiheitsgrade beider Geschlechter erweitern könnte, wie eine ZEIT-Praktikantin in einer Redaktionsumfrage anläßlich des Weltfrauentages vor einem Jahr meinte – aber da gibt es ein ganz entscheidendes empirisches Problem, das ich am Rande eines anderen ZEIT-Artikels bereits gestern dargelegt habe.
Es hilft niemandem weiter, Männern politisch individuell irrationales Verhalten nahezulegen! Männer werden sich genau dann ändern, wenn ihnen das Vorteile, – auch und vor allem auf dem Partnermarkt – bringt. Wie zuletzt der Zürcher Neurobiologie Lutz Jähnke, der im übrigen im Allgemeinen von einer sozio-psychologisch geprägten zunehmenden Angleichung der Geschlechter ausgeht, in der Weltwoche erklärte, ist es bei aller zerebralen Plastizität und kulturellen Modellierbarkeit der menschlichen Geschlechter doch so, daß das Knappheitsverhältnis von Eizellen zu Spermien eben unterschiedliche evolutionäre Strategien hervorgebracht hat, die sich nicht durch gesellschaftliches Predigen verändern lassen. Ganz sicher nicht in für einzelne Individuen relevanten Zeiträumen. Ein Zitat aus dem Interviw mit Lutz Jähnke, das den Titel “Die Geschlechter gleichen sich an” trägt… aber da ist ja noch der kleine Unterschied -
“Und die angeborenen emotionalen Unterschiede, die Sie vorhin zugestanden haben, denen messen Sie auch keine Bedeutung zu?
Doch, die kommen vor allem bei der Partnerwahl zum Ausdruck. Hier gibt es ja tatsächlich gravierende Unterschiede, die sich durch keinerlei Erziehungsmassnahmen oder religiöse Gebote abtrainieren lassen. Eine Frau kann in Ausnahmefällen zwei Dutzend Kinder aufziehen, ein Mann kann theoretisch Tausende Nachkommen haben, und daraus resultieren unterschiedliche Strategien. Männer sind bei der Partnersuche nicht sehr wählerisch, während Frauen sehr selektiv vorgehen. Es muss der besondere, einzigartige und richtige Mann sein, mit dem sie Nachkommen zeugt.
Sind diese unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien heute noch relevant?
Absolut. Das zeigen ja alle Daten: Frauen wählen Männer auch heute noch vorwiegend nach ihrem Status, darum sind die Männer auch im Schnitt fünf Jahre älter als ihre Frauen und haben ein grösseres Einkommen. Die Asymmetrie ist hier gewaltig. Die Verhaltensunterschiede sehen Sie besonders gut in der Pubertät, wo Buben prahlen und um Gruppenränge kämpfen, während Mädchen eher die Rolle der interessierten Beobachterin einnehmen. Um am Schluss jenen herauszugreifen, der eine möglichst hohe Position hat.”
Frauen entscheiden, welchen Männern sie ihre knappen reproduktiven Ressourcen anvertrauen. Solange sich das tatsächliche weibliche Paarungsverhalten individuell und kollektiv überprüfbar von politischen Parolen unterscheidet, werden Männer sich kaum davon überzeugen lassen, auf den Aufbau von “Status” als offensichtlich wesentlichsten Element der Paarungsanbahnung zu verzichten. Hier geht es um zu bedeutende individuelle Lebensentscheidungen, um sich auf eine ideologische oder philosophische Diskussion dauerhaft einzulassen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite betrifft die Frauen, die bereits an der Spitze stehen, und das oft allein. Die bekannte amerikanische Kolumnistin Maureen Dowd hat sich im NewYork Times Magazine und einem Buch darüber lauthals beschwert und ihren Status für ihr Singledasein verantwortlich gemacht. Aber hat sie deswegen einen Mann erwählt, der einen niedrigeren Status als sie hat?
Wir leben nur einmal. Männer wie Frauen. Und die meisten von uns sind sich glücklicherweise für soziologische Longitudinalstudien zu schade. Das mag man dann gesellschaftliche “Beharrungskräfte” nennen. Oder aber einfach: “rationales” Verhalten.
Sollten Frauen daher irgendwann anfangen, arme, langweilige Männer ohne eigenes Einkommen zu bevorzugen, jegliche Quotenregelung wäre auf längere Sicht überflüssig. Wenn sie das nicht tun, sollten wir aufhören, Männer politisch dazu aufzufordern, sich individuell irrational verhalten.
Es ist schade, daß (offensichtlich insbesondere der deutsche) Feminismus, Sexualität und reproduktive Anreize fast ausschließlich als abhängige, politische Variable wahrnimmt, nicht aber als unabhängige, die soziale Realität in bedeutendem Umfang prägende Variable. Das mag politisch opportun sein und mit der historischen Entwicklung der Disziplin erklärbar, der Sache dienlich ist es in keinem Fall.
Das zwanzigste war das Jahrhundert der soziologischen Anmaßung und nicht weniger aus ihr resultierender allzu oft im tödlichen oder zumindest moralischen Desaster endender Ismen. Daß ebenfalls nicht wenige – und nicht ausschließlich sozial konservative – Menschen sich nicht davon abbringen lassen undifferenziert auch “den Feminismus†in die Reihe eher schädlicher gesellschaftlicher Feldversuche einzureihen, liegt wohl vor allem daran, daß ein nicht unbedeutender Teil sowohl der feministischen Theorie als auch ihre “Praxis†sich zu weigern scheinen, die Welt nicht nur in von der vermeintlichen Antwort ausgehende Interpretationsschemata zu pressen (Simone de Beauvoir – “Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird [zu einer gemacht].â€), sondern sich der Realität in all ihren – auch biologisch disponierten (wohlgemerkt: nicht determinierten) – Facetten zu stellen.
Wir müssen das Spannungsverhältnis, das sich durch das Ende einer effizienten geschlechterbezogenen Arbeitsteilung in der ökonomischen Sphäre (durch die Industrialisierung, nicht durch den nicht unwichtigen, aber in seinen Konsequenzen sowohl von Konservativen wie Feministinnen selbst zumeist in seiner gesellschaftlichen Bedeutung überbewerteten Aktivismus des “second-wave Feminismus”) im Zusammenhang mit der richtigen fundamentalen humanistischen Forderung nach Gleichwertigkeit neu ausfüllen, ohne jeden Zweifel – auch aus ökonomischem Interesse.
Wenn es einen Weg geben sollte, kann dieser nicht ohne eine fundamentale Umgestaltung unserer Sozialsysteme gegangen werden. Und damit ist das Problem gleichzeitig auch eine große Chance, aus dem politisch diagnostizierten demographischen Notstand heraus sinnvolle Modernisierungsvorhaben voran zu bringen, die in Deutschland aufgrund seiner Wirtschafts- und Sozialgeschichte noch nicht in ausreichendem Maße angegangen wurden. Ein gesellschaftliches Partizipationseinkommen, in Form einer Negativsteuer oder eines Grundlohns, scheint mir als sinnvolle, wenn auch riskante, Möglichkeit, Freiheit – und für Eltern und Kinder notwendige rudimentäre wirtschaftliche Sicherheit in zunehmen volatileren Zeiten – zu geben.
Aber selbst dann bliebe “Gleichheit in Unterschiedlichkeit” eben ein besonderes Problem, das möglicherweise nicht lösbar ist. Dann wäre der Kampf der Geschlechter wohl tatsächlich eine unabänderliche Tatsache. Aber glücklicherweise kann man sich ja auch beim Kämpfen manchmal recht nahe kommen ;) – und heute ist auf jeden Fall Waffenstillstand.
Das Genderblog findet das ZEIT-Experiment mit den low-level-Gewalt Texten übrigens “interessant seltsam,” was auch immer das bedeuten mag. ARTE widmet, wie nicht anders zu erwarten, dem Thema den ganzen Abend, und für 3Sat-Delta versammelt Gert Scobel am Abend eine interessnte Gesprächsrunde zum Thema Prostitution, bei der auch Lisa Moos zugegen sein wird, eine Ex-Prostituierte, deren Buch “Das erste Mal und immer wieder” im vergangenen Jahr zu einem Bestseller wurde.
Ich sollte an dieser Stelle vielleicht auch noch darauf hinweisen, daß mein Themen-Blog “battleofthesexes.de” auch noch existiert, ich aber noch nicht entschieden habe, ob es vielleicht in almostadiary.de integriert wird.
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