Allgemein

Kommentartagebuch (I)

Ich habe mir überlegt, daß es eigentlich keine schlechte Idee ist, einige der längeren und besseren Kommentare, die ich auf anderen Webseiten und blogs (außer bei afoe natürlich) hinterlassen habe, auch in meinem proto-Tagebuch zu speichern, denn sie sind schließlich auch ein nicht unbedeutender Teil meines web-logs. Heute also Teil I des Kommentar-Tagebuchs – ein Kommentar zum Beitrag „Unser aller Feind: Gender Mainstreaming“ von Rochus Wolff, veröffentlicht im genderblog am 16. Januar 2007. Im Ursprungsbeitrag geht es um die mediale Aufarbeitung des Themas Gender Mainstreaming. Weiterlesen

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Bürgerrechte, intellectual property rights

Traurig, aber leider nicht vollkommen falsch…

Bettina Winsemann interviewt Walter M. Miller für Telepolis: „Das Urheberrecht ist der Schlüssel zur Vollbeschäftigung“

Der vielfach gescholtene 2. Korb des neuen Urheberrechtes ist nach Meinung des Künstlers und Ökonoms Walter M. Miller nicht nur das „Beste, was es seit langem gab“, er wird auch die Arbeitslosigkeit endgültig beenden. Telepolis gab das medienscheue Genie eines seiner wenigen Interviews.

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almost a diary

Das Nichts

Das Nichts (I). Sollte sich irgendjemand über die geringe Schreibfrequenz wundern – die hat vor allem damit zu tun, daß ich aufgrund von Kommentar-Spam-Problemen A Fistful Of Euros von Movable Type nach WordPress portiert habe, was doch deutlich aufwendiger war als angenommen. Aber ich habe dabei einen Weg gefunden, MT-Blogs als Kategorien nach WP zu importieren – sollte irgendjemand daran interessiert sein, einfach eine Email schicken.

Das Nichts (II). Ich bin heute beim entspannenden Segelfliegen in Google Earth mal wieder auf eine der Grenzen von hochauflösenden Bildern und niedrigauflösenden Bildern gestoßen und fühlte mich plötzlich an das alles verschlingende Nichts aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende erinnert… aber zum Glück weiß ich ja, daß bei Google Earth das Nichts mit der Zeit schon verschwinden wird.

Update: Das Nichts (III). Da der urheberrechtliche Schwachsinn soweit zu gehen scheint, daß selbst Screenshots, die Google explizit (für Menschen, die sich nicht primär in Legalese unterhalten) für die nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben sind, ist das Nichts tatsächlich verschwunden. Zumindest von dieser Seite. Mehr zu dem Thema bei Robert Basic.

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Allgemein

Spielzeug für die Kinder von Gan-Israel.

<!--enpts-->Spielzeug<!--enpte-->Gerade habe ich im Blog von Julia Seeliger, von wo ich auch das Bild habe (ich hoffe, das ist ok), gelesen, daß

„[i]n der Nacht zum Sonntag, den 25. Februar 2007, … Unbekannte antisemitische Drohungen an die Fassade des Kindergartens Gan-Israel in Berlin-Charlottenburg [geschmiert haben]. „Scheiß Juden“, „Auschwitz“, „Weg hier“, dazu Hakenkreuze und Runen. Wie sehr sich der Anschlag nicht nur gegen eine jüdische Einrichtung, sondern gerade auch gegen die Kinder richtete, zeigt die Tatsache, dass die Täter Spielzeug der Kleinen mit SS-Runen beschmierten und zerstörten.“

Das sind so die Dinge, die bei mir wirklich physische Übelkeit hervorrufen und die ich auch nicht kommentieren möchte.

Was kaputt ist, vor allem psychisch, ist wohl leider kaputt. Aber neues Spielzeug kann man glücklicherweise kaufen – oder dafür Spenden. Das geht, laut Julia Seeligers Blog, hier –

Amadeu Antonio Stiftung
Stichwort „Spielzeug“
Deutsche Bank Bensheim
Konto: 030 331 331
BLZ: 509 700 04

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media, Sport

In dubio pro reo?

Gerade lief in der ZDF Nachrichtensendung „heute“ ein Bericht über die Pressekonferenz, auf der Jan Ullrich heute seinen Rücktritt vom Profisport bekannt gab. Die Kommentatorin beklagte dabei, daß Jan Ullrich

„wie fast alle Verdächtigen kein Schuldbewußtsein gezeigt habe.“

Wenigstens ist die kommentierende Redakteurin, wenn auch vermutlich unabsichtlich, ehrlich. Die wenigsten werden so offen vorverurteilen. Aber es zeigt, wie sehr uns allen, aber vor allem den Medien, allgemein – aber insbesondere in Bezug auf Doping (im Radsport) – die rechtlichen und moralischen Kategorien verschwimmen.

Das ist ein Problem bei dem wohl auch ein später Unschuldsbeweis für Jan Ullrich nicht helfen würde.

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Fußball, Sport

Wir wollen doch nur spielen. In der ersten Bundesliga.

Als Hans Meyer, Trainer des 1. FC Nürnberg, gestern Abend im Aktuellen Sportstudio seine Fußballphilosophie dahingehend beschrieb, daß er seinen Profis immer wieder klarmache, daß es sich bei ihrem Beruf um ein „Spiel“ handele, da war mir klar warum er sich – abseits aller Rivalität auf dem Platz – mit Jürgen Klopp so gut versteht. Denn das Spielerische, das „Spielen wollen“, ist vielleicht das wesentlichste Merkmal der von Klopp trainierten und oft etwas abschätzig als „Karnevalsverein“ bezeichneten Mannschaft.

Natürlich ist es nicht immer einfach, ein solches Prinzip hochzuhalten, wenn es nicht in der eigenen Natur liegt und die sportliche Situation keinen Anlaß zu Jubelarien gibt – so wie es in der gesamten Hinrunde für Mainz 05 der Fall war. Sollte Nürnberg unter Hans Meyer einmal in eine solche Situation geraten, würde sich schnell herausstellen, ob auch in Nürnberg der Verein und das Umfeld seine für den Profifußball schließlich geradezu wesensgehaltsverändernde Einstellung teilt.

In Mainz wußten wir das zwar schon immer. Aber auch ein wenig Selbstvergewisserung ist manchmal ganz angenehm – erst recht, wenn sie so unprätentiös und dennoch pathetisch formuliert ist, wie in diesem NEON-Forums-Artikel von „beenerin.

„Die Hoffnung nicht aufgeben. Den Glauben nicht verlieren. „Jetzt erst recht!“ zierte als Schriftzug die Caps und Mützen von Spielern und Trainerstab. Und: „Wir können das hier noch wenden!“, wurde Kloppo nicht müde zu beteuern. „Mainz ist noch nicht abgestiegen, auch wenn das manch einer jetzt schon glaubt!“, beteuerten Präsident und Manager einheitlich und mit fester Stimme.

Und die Fans? Standen zu ihrer Mannschaft, ohne sich erkennbare Vertrauensmängel anmerken zu lassen. Natürlich schummeln jene, die sagen sie hatten keinen düsteren Moment gehabt, in dem ihnen der rechte Glaube fehlen wollte. Und selbstverständlich hat man das Stadion oder die Kneipe öfter mal verlassen und geflucht über den Grottenkick, neben dem einem mehr Bier in den Hals geflossen war als geplant – oder man sich im Stadion auf deutsch gesagt den Arsch abgefroren hatte: und für was? Aber nichts brachte die Besetzung der Mainzer Fanblocks dazu, ihre Unterstützung für das Team oder den Verein aufzugeben: es wurde mit-gekämpft.

Die Spieler wurden nach jeder Heimniederlage mit einem überzeugten „Auswärtssieg“- Sprechgesang angefeuert, Trainer und die Buben in rot-weißen Shorts nie angefeindet oder gar ausgebuht. Als die Mannschaft auf den letzten Platz abrutschte, bekräftigten die Fans ihren Zusammenhalt mit dem Verein, in dem sie Transparente trugen, auf denen zu lesen war, „Ich geh mit meiner Laterne!“. Und heute, wo in Mainz plötzlich ein Spiel nach dem anderen gewonnen wird, da gibt es keinen Fan, der sich nicht sicher ist, einen Anteil am wiedergekehrten Erfolg zu haben. „Weil, ich hab doch immer an die Jungs geglaubt. Und an den Kloppo. Der macht das schon!“

Das ist mein Verein.“

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compulsory reading, German Politics, Political Theory

Das Ende vom Links.

Es war einmal eine Zeit, da war es „cool“, „links“ zu sein, zumindest, wie Bertrand Russel uns lehrt, solange man jung noch war. Damals hatte „links“ auch noch eine geringe inhaltliche Komponente, die über die a priori-Annahme hinausging, das alle wirtschaftlich und gesellschaftlich Schwachen allen wirtschaftlich und gesellschaftlich Starken moralisch überlegen sind.

Auch wenn schon die Absurdität einer solchen Annahme für jedes politische Engagement, das ja zumeist mit der relativen Veränderung wirtschaftlicher und sozialer Rangordnungen einhergeht, die empirische Bestätigung durch jahrzehntelange sozialistische Feldversuche eigentlich nicht benötigte.

Insofern hat es sicher auch sein Gutes, daß „links sein“ für Gregor Gysi, einem der Fraktionsvorsitzenden der „LINKEN“ im deutschen Bundestag, bedeutet, „gegen Armut zu sein“, wie er kürzlich in einer Talkrunde zum Thema „Mindestlohn“ erwähnte. Wow. Das ist tiefgründig.

Angesichts der Inhaltsleere solcher Aussagen möglicher Vordenker sollte es nicht überraschen, daß sich Linkssein für Jugendliche heute vor allem in einer „Ich bin dagegen! Worum gehts?“-Haltung erschöpft, manchmal verbunden mit Aktionen, die ein diffuses Unwohlsein mit einem ebenso diffusen moralischen Bewußtsein verknüpfen. Zumeist argumentationslos und faktenleer.

Ein Beispiel ist die Aktion „I don’t like G8“, über die ich über ein Banner auf einem anderen Blog gestolpert bin – eine Revolution dürfte dabei allerdings nicht herauskommen.

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Allgemein

Fastnachtsdienstag…

ist, wenn man mal ehrlich ist, doch der eigentliche Aschermittwoch. Nach dem karnevalistischen Orgasmus am Rosenmontag wirkt der folgende Dienstag doch zwangsläufig wie ein zu lange geratener Epilog eines spannenden Films oder der allzu oft zu beobachtende unerträglich hingezogene Abschied einstmals Mächtiger.

Nicht, daß ich deswegen den Aschermittwoch vorverlegen wollte – man stelle sich nur mal vor, all die an den morgen stattfindenden politischen Aschermittwochen Beteiligten hätten zum Abbau des am Rosenmontag konsumierten Alkohols ohne den Fastnachtsdienstag auskommen müssen -, aber wir sollten seine wirkliche Aussage trotz, oder wegen, Katerstimmung nicht vergessen.

Und hier, zur Erinnerung, hat Die Zeit noch ein paar Bilder aus Brasilien – ZEIT online – Carnaval do Brasil.

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