almost a diary, compulsory reading

Bin ich Deutschland? Am I Germany?

Well, not quite. But I ordered the domain „www.ichbindeutschland.de“ as soon as I heard in early 2005 that there would be a huge social marketing campaign telling me that if I weren’t Germany yet I certainly should become Germany as quickly as possibly. I humbly complied with their demand, if only on the internet.

When the campaign began last September, I initially covered it in German on www.ichbindeutschland.de, but eventually I felt that I should use the domain for something more personal, and point it to my – so far English language only – personal blog and finally make almostadiary.de bilingual.

I had been thinking about writing in German, at least a little, since I started blogging a couple of years ago. Now, with a domain pointing to this site that is in some sense promising to the occasional reader to present the very personification of Germany, I feel I may finally have sufficient incentive to blog in German, at least every now and then.

It will be interesting to see how this works out – I certainly won’t solve the linguistic challenge by translating every post. So, welcome, gentle readers from Ichbindeutschland.de – herzlich willkommen auf almost a diary.de.

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Du bist Wir.

Beim Staatsakt zum 15. Tag der Deutschen Einheit wurde heute zum ersten Mal ein Popsong aufgeführt – Paul van Dyks und Peter Heppners „Wir sind wir – Ein Deutschlandlied“ (Musikvideo als rm-stream).

Zum Mutmachen taugt dieses „Deutschlandlied“, das laut Webseite des Labels in Sachsen-Anhalt bereits als Unterrichtsmedium in Schulen eingesetzt wird, allerdings nur bedingt. Außer wir sehen endlich ein, daß eine gewisse Tendenz zum Selbstwiderspruch die Botschaft der Aussage „Wir sind wir“ ist. Das immerhin wäre ein Fortschritt…

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Kraft durch Nörgeln!

Für die Frankfurter Rundschau stellt Harry Nutt heute mal – hinter vorgehaltener Hand und sich seiner Sache noch nicht so ganz sicher – die Axiomatik der Kampagne in Frage, den medial konstruierten Rationalitätsmythos „Es geht uns/Dir schlecht“.

„Am Montag lief der erste Spot im Fernsehen, der Dir neuen Mut machen soll. Zeitungsanzeigen hattest Du auch schon gesehen, auf denen Du lesen konntest: „Du bist Claudia Pechstein“. Was ist hier eigentlich los? hattest Du Dich gefragt. Eislaufen gegen die Tristesse? Das große Gleiten gegen die Arbeitslosigkeit? …

Halt! Frag jetzt nicht weiter. Du klingst schon wie Reinhard Mey: „Du bist so wunderbar negativ/und so erfrischend destruktiv“. Angefangen hatte alles natürlich wieder einmal bei Harald Schmidt. In einer kleinen Serie seiner Show hatte er deutsche Weltmarktführer vom Hundepuddinghersteller bis bis zum Knopfproduzenten vorgestellt. Lauter vorbildliche Wirtschaftsanstrengungen, aus denen Du Mut schöpfen solltest, damit es bald wieder aufwärts gehe mit Dir und Deinem Land. …

Sorgen bereitet Dir nur die parlierende Klasse, dieses allzu freundlich wirkende Aufrufkartell. Die versammelte moderierende Mittelmäßigkeit von Günther Jauch über Ulrich Wickert bis Anne Will ist so beseelt von der nationalen Ermutigung, dass Du Dich fragtest, ob nicht irgend eine Sekte hinter der ganzen Sache steckt. Sind aber nur 25 führende deutsche Medienunternehmen, versuchtest Du Dich zu beruhigen. Aber zu spät, er war da, der Zweifel, …“

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Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Die Macher geben sich begeistert: Einen Tag nach der Erstaustrahlung des „Du bist Deutschland“- Fernsehspots heißt es in einer Pressemitteilung (sic!):

Der positive Resonanz auf die Kampagne übertrifft unsere
Erwartungen“, freut sich Bernd Bauer, Organisator der Kampagne für die Bertelsmann AG.

Angesichts der doch eher zwiespältigen Reaktion, die es gestern in den Blogs gab, mag man sich fragen, welche Erwartungen die Organisatoren denn hatten. Allerdings – auch wenn davon ja irgendwie auszugehen war, angesichts der „Gleichschaltung“ nahezu aller Fernsehsender – so die Informationen in der Pressemitteilung stimmen hat ein einzelner TV-Spot noch nie so viele Menschen in Deutschland gleichzeitig erreicht: Insgesamt 17 Millionen Zuschauer haben den Kampagnenstart gesehen (Reichweite 26%).

Und ganz in der Tradition der vietnamesischen Presse, die Verkehrsstaus als Zeichen dafür wertet, daß das Land endlich zum Schwellenland geworden sei, wird es auch bei „Du bist Deutschland“ positiv gewertet, daß

„… rund 20.000 gleichzeitige Zugriffe in den ersten Sekunden … die acht Webserver kurzfristig an ihre Grenzen [brachten].“

Insgesamt kam es zu ca. 1 Million Zugriffen. Damit hatte – und ich gebe das unumwunden zu – „Du-Bist-Deutschland.de“ gestern mehr Besucher als „ichbindeutschland.de“…

Ach ja, außerdem war war der Werbefilm heute völlig überraschend auch „Spot des Tages“ bei W&V.

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almost a diary

Me? Germany? A little, maybe.

UPDATE

(26/1/2007) As of March 2006 ichbindeutschland.de has been integrated into almost a diary. The archive is available as a category – just click on Du bist Deutschland in the tag cloud.

Just to let you know, my gentle readers, I have blogged in German for the first time today. Following an intriguing conversation with Lyssa, the current winner of the afoe Satin Pajama for „best German blog“ at the Frankfurt International motor show last Saturday, I felt I should at least try once something that comes natural for most bloggers: blogging in their native language.

So should you be able and willing, you can read my ‚coverage‘ of the initial reaction to Germany’s biggest social marketing campaign „Du bist Deutschland“ („You are Germany“), which was launched today, over at my new German blog Ich bin (auch) Deutschland.

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30 Millionen für die deutsche Seele.

So titelt Frank Weiffens seinen Artikel zum Thema „Du bist Deutschland“ in der Kölner Rundschau – und gewinnt damit den von mir kurzfristig, aber für ihn unglücklicherweise leider nur imaginär ausgelobten Preis für die bisher beste Überschrift. Allerdings geht er im Text nicht auf die Frage ein, wessen Anwalt die Initiatoren der Kampagne nun wirklich sind…

Dafür hat er den Medienpsychologen Jo Groebel nach einer Werbewirksamkeitsprognose gefragt – und sie erhalten. Herrn Groebel zufolge sind die Stärken der Kampagne in erster Linie „die persönliche Ansprache“ und das Mediavolumen. Die Schwäche allerdings sei, daß der Informationsfluß von oben nach unten statt finde…

Hmm. Ja, eine Kampagne bei der die Information vom Rezipienten zum Emittenten fließt, das wäre schon was…. vielleicht sollte man das einfach „Tunneling-Marketing“ nennen, und dann soviel wie möglich über einen neuen, revolutionären Kommunikationsansatz reden.

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Du bist Jammern: Gemischtes Echo.

Ein kurzer Rundgang durch den deutschen Blogwald, ein paar Stunden, nachdem der „Du bist Deutschland“-Spot zum ersten Mal ausgestrahlt wurde – die Blogs habe ich eher zufällig ausgewählt, auf Basis einer technorati-Suche nach „Du bist Deutschland“. Klar, dass unter mehr als 2000 Links keine systematische Auswahl mehr möglich ist. Allerdings erscheint auch ebenso klar, daß die Initialreaktion so geteilt ist, wie die heftige Reaktion auf die Kampagnenankandigung erahnen ließ.

Das Medienweblog „Medienrauschen“ gibt sich interessiert, aber eher resigniert. Thomas Gigold schreibt:

„Image ist Alles. Und das will man – also die hinter der Kampagne stehende Wirtschaft – ein wenig aufpolieren. Zu uns Deutschen mit Merkelblick (= Hundeblick) will niemand mehr. Also: Lächeln! Das sollte als Kollektivbefehl aufgefasst werden!

Ich habe ein wenig Zweifel ob die Millionen für die Kampagne sinnvoll angelegt sind. Ob die demnächst von überall herbei gerufene Parole „Du bist Deutschland“ bei geifernden Bayern, Quasi-Kanzlern (eigentlich sollten wir eine „Wir sind Kanzler“-Kampa starten), frustrierten Ost-Deutschen und dergleichen helfen wird?“

„Ihr-Nicht-Ich“-Initiator Johnny Spreeblick scheinen erste Zweifel bzgl. seiner bisherigen Einstellung zu kommen. Unter dem Titel „Jetzt mal im Ernst, liebe Mutmacher“ schreibt er

„Ich weiß, ich gehöre zu den dauernden Stänkerkappen. Sorry, ist nicht böse gemeint. Ich höre auch gleich wieder auf, wirklich. Und ja, die Kampagne ist superschön emotional, auch das Klavier im Hintergrund und so. Aber witziger sind wir, müsst ihr zugeben!“

Sven Scholz beklagt, daß die Webseite der Kampagne nur bei Einsatz von Flash zu geniessen sei, ist aber auch sonst nicht glücklich –

„Ich meine, hey, das kommt von Werbefuzzis, die da eine „professionelle“ Imagekampagne durchziehen. Also Leute, die ihre Belegschaft zu 70% aus Praktikanten und Studenten-Jobbern bestreiten und einen Realitätsbezug haben wie die Fans von Timothy Leary zu seinen wildesten Zeiten, die hier z.B. Arbeitslosen, die übers Jahr eine dreistellige Anzahl von Absagen bekommen haben, erzählen wollen, dass es ihnen doch eigentlich richtig prima geht und sie alles schaffen können, wenn sie nur ein Lachen aufsetzen und positiv denken.“

Während Fabians Subversives Geblubber es enttäuschend findet,

„daß in dem Spot nicht nur ausnahmslos Deppen zu sehn sind, sondern auch Leute wie Harald Schmidt, Ulrich Wickert oder Anne Will. Sein Gesicht für ’ne bezahlte Magermilch-Werbung oder Bierreklame herzugeben mag mittlerweile normal sein, aber so ’ne leicht nationalistische und völlig sinnlose „wir sind wer“ „Mutmacher-Kampagne“ zu unterstützen, find ich leicht grenzwertig. … Ist das wirklich das Bild, daß die Werbeindustrie von der deutschen Bevölkerung hat? Lauter Laschies, die durch gutes Zusprechen via TV erstmal wieder auf die Beine gebracht werden müssen?“

Tobe schreibt auf „God loves this blog

„Apropos Bilder: Eben lief auf VOX der „Du bist Deutschland“-Trailer, herzergreifend. Du bist 82 Millionen, mach die mal wieder die Finger schmutzig. Süß. Noch süßer wäre es aber, wenn unsere Politiker sich mal ein Beispiel nehmen würden und wat anpacken, anstatt drüber zu streiten, wer wie wann wo regieren soll.“

Der Outsider in Strausberg berichtet:

„Heute habe ich zum ersten Mal den neuen TV-Spot „Du bist Deutschland“ gesehen. Lustiger und optimistischer bin ich nicht geworden. Im Gegenteil. Die zahlreiche Prominenz kann ja sagen was sie will. Mit großen Werbeverträgen und überdurchschnittlichem Einkommen können DIE mir Deutschland und die deutsche Politik auch nicht schön reden. Und verantwortlich für die weitere Entwicklung in Deutschland bin ich schon mal gar nicht. Jeder macht so gut es geht seinen Job, wenn er denn einen hat. Und gewählt haben wir auch alle. Den Rest müssen die Politiker erledigen. SIE, die Politiker, müssen die Rahmenbedingungen für ‚Du bist Deutschland‘ schaffen. Nicht ich.“

Während der Sachsenpaule sich um den Gesundheitszustand der Kampagnenmacher sorgt –

„Manchmal, so wie heute, frage ich mich wie es um die geistige Gesundheit meiner mitprimaten und besonders der Alphatierchen beschaffen ist.
Sie senden einen Werbespot, Primetime, beste Sendezeit, abgesegnet von Marketingexperten, Medienbossen, und betrieblichen Psychologen. Dieser Spot beeinhaltet die kurze Aussage: Warum bist du noch kein Millionär?… und eine melancholische Musik.“

Lars_WT findet das alles gar nicht lustig. Er ist wütend, weil der „der Schwachsinn zur Methode werde“. Auf „Politische Kommentare zur Zeit“ schreibt er:

Ich bin erschüttert. Bislang habe ich ja gedacht, dass es solche Propaganda nur in totalitären Staaten gibt, doch anscheinend sind wir in Deutschland schon so tief gesunken, dass Kritik üben, Fehler aufdecken und Mängel anprangern inzwischen als Nörgeln und Schlechtreden abqualifiziert wird.

Anscheinend brauchen wir eine solche Propaganda. Deutschland sinkt wirklich ab auf das Niveau einer Bananenrepublik, in der den Menschen via Fernsehen etwas vorgegaukelt werden soll, was nicht ist. …

Was ändert sich für all die Menschen, die in Deutschland Angst um ihre Arbeitsplätze haben, die jeden Tag ihr Bestes geben, die sich selbst krank zur Arbeit schleppen, und denen dann nur noch die Wahl gelassen wird zwischen Arbeitslosigkeit und erheblichen Gehaltseinbußen … ?

Diese Menschen geben ihr Bestes oder wollen ihr Bestes geben, doch gerade diejenigen, die diese Kampagne finanzieren, verhindern das. Sie sehen Menschen nur noch als Humankapital, als Kostenfaktor oder als ökonomischen Kollateralschaden. …

Ich hoffe nur, dass alle Deutschen so über diese Kampagne denken, die Spots abschalten, erst recht die prominenten Propagandisten abschalten …“

Diese Hoffnung wird allerdings enttäuscht: Die Blogosphäre äußert sich auch ausnehmend positiv zu der Kampagne. Bei NuMsI auf Kulturschock – Der pure Wahnsinn heisst es –

„Hab gerade den Spot dazu gesehen, und war echt beeindruckt, deswegen hab ich gleich mal Nachforschungen angestellt. … Kurz gesagt, ich bin noch nicht wirklich dahintergestiegen was diese Kampagne wirklich von mir will….. Ok mal nachdenken, sie wollen Deutschland verändern, das ist eine gute Idee, aber ob sie es wirklich schaffen aus dem Jammertal ein Freudenberg zu machen….. So sind die Deutschen einfach, nur am Jammern, genau so wie die Amerikaner nur am Kaugummi kauen sind, und die Japaner am Mangas zeichnen. Ist das Jammern nicht das was uns ausmacht?“

Lolo5821 ist berührt und begeistert von dem Spot –

„grad gesehen .. woah .. sehr geil gemacht, hab Gänsehaut bekommen … hoffe der Sinn fruchtet! .. auf alle Fälle sehr berührend und … es lässt einen [kurz] inne halten …“

Und auch Dr. Lecter kann sich kaum zurückhalten:

„Habe heute Abend den TV Spot gesehen und ich bin wirklich begeistert. Ich finde die Kampagne toll, dafür war es mal Zeit. Die Leute müssen mal wieder den Arsch hochkriegen und sich nicht von dem ganzen Schlechtgerede runterziehen lassen. Schaut mal vorbei, wir alle sind Deutschland.“

Ein paar Blogeinträge als nicht-representatives Stimmungsbild einer gespaltenen Nation. Aber daran sind wir ja mittlerweile gewöhnt… Ach ja, die Reaktionen der nicht bloggenden Medien kommen später.

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Hier bist Du Deutschland, hier darfst Du’s sein.

Verweigern gilt nicht – bei Betreibern wie Gegnern der Kampagne ist Interaktivität das Kundenbindungsinstrument der Stunde.

Auf der Seite der ausseragenturischen Opposition erweitert Johnny Spreeblick das flickr.com Angebot zum Thema Deutschland mit einem sehr spezifischen Pool zum Mitmachen. Und ein Photoshop Template zum Selberbauen von ‚Du bist Deutschland‘-Anzeigen gibt’s auch gleich dazu.

Auf der Webseite der Kampagne kann man aber auch mitmachen. Damit man nicht wegen des Tenors der Fernsehspots aus Versagensangst beschließt, kein Wunder von Deutschland mehr zu sein, kann man hier eigene Statements eingeben und sogar Photos hochladen (Achtung, das Kleingedruckte beachten!) – und die Galerie mit den bereits eingegangenen gibt’s hier zu sehen.

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Ich bin Deutschland. Deutschland Gump.

Gerade lief der erste zwei Minuten lange Spot von „Du bist Deutschland“ in den öffentlich-rechtlichen Programmen.

Daher keine Analyse, sondern nur erste Eindrücke. Ich fühlte mich enorm an den Film erinnert, der auf der Expo 2000 im deutschen Pavillon lief. Aber der Unterton war anders. Der Anfang war ganz niedlich, bis zu dem Moment, wo ich den Eindruck bekam, man klagt mich ganz persönlich der Desertation, der „Feigheit vor dem Feind“ an, in Form von Leistungsverweigerung gegenüber dem Vaterland, zumindest aber als Miespeter. Die geistig-moralische Wende hat also hier zumindest statt gefunden.

Überaus ineressant finde ich, dass die Kampagne, die unter der kreativen Leitung von Oliver Voss bei Jung von Matt in Hamburg entstand, sich Alan Silvestri’s „Suite from Forrest Gump“ als Soundteppich ausgesucht hat. Denn diese federleichte Melodie gibt schließlich – so wie im Film – jede Menge Interpretationsmöglichkeiten zur Sinnfrage der Kampagne: Vom irgendwie inhaltsbestätigenden verbalen Prügel [„Doh, Du bist Deutschland, Forrest, kapier’s endlich“] bis zur buddhistisch angehauchten Akzeptanzphilosophie [„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, sei zufrienden mit dem was Dir beschieden – auch bei uns“].

Das wird noch spannend!

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