Bildquelle: Staatstheater Mainz / Copyright Andreas Etter – Gestern Abend hatte ich Gelegenheit „Begehren“ von Gesine Schmidt (Regie Brit Bartkowiak) im Staatstheater Mainz anzusehen. Die Rezensentin von nachtkritik.de war sich ziemlich sicher, daß das Stück nicht funktioniert.

Und ich würde Ihr da nach meinem Besuch ein kleines Stück weit Recht geben, aber nicht, weil die Regisseurin, wie von Ihr vermutet, keine zündende Idee gehabt hat, sondern, weil sie die doku-fiktionale Feldforschung, die ihr in die Hand gedrückt wurde, so genommen hat, wie sie offenbar ist.

Gesine Schmidt scheint zu glauben, mit dem Aufzählen von Paraphilien und einem Einkauf in der BDSM-Abteilung des Sexshops ihres Vertrauens das Phänomen „Begehren“ auserzählt zu haben. Das ist allerdings ein fataler und letztlich – gerade für Autoren – eigentlich auch offensichtlicher Trugschluß. 

Insofern hat die Inszenierung von Brit Barkoviak dem Text von Gesine Schmidt letztlich ein Meta-Element Wahrhaftigkeit hinzugefügt. Denn so wie im aktuellen gesamtgesellschaftlichen Diskurs Sexualität oft entweder rein sportlich gesehen oder als gewalttätig problematisiert wird, und letztlich alle aneinander vorbei reden müssen, weil sie den Kern des Themas „Begehren“ nicht sehen können, weil der ja nichts ist, was sichtbar werden kann, tun das auch die Charaktere auf der Bühne.

Insofern, gelohnt hat sich der Besuch im Mainzer Staatstheater durchaus.

Bildquelle: Pressefoto Staatstheater Mainz / Copyright Andreas Etter
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