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Eisbärenbabyniedlichkeitswahn.

<!--enpts-->Knut<!--enpte-->Na, das ist doch mal ein Wort, daß sich die Gesellschaft für deutsche Sprache mal etwas näher ansehen sollte. Schließlich sind nicht unwesentliche Teile der Republik, inklusive der Kanzlerin, dieser Frühjahrsepidemie anheim gefallen.

Vielleicht werden wir es in Zukunft auch noch öfter hören, denn im Schatten der Aufmerksamkeit um den knuddeligen Knut baut sich gerade ein enormes Frustrationspotential auf: Kandy zum Beispiel, die eifersüchtige Halbschwester des noch namenlosen, am 11. April im Hamburger Tierpark Hagenbeck geborenen und mit einem Rüssel und zwei Öhrchen bestens für das Leben gerüsteten niedlichen, wenn auch schon 100 Kilo schweren Elefantenmädchens, ist gar nicht gut auf Knut zu sprechen. Nicht anders geht es offenbar Sondra Katzen, der Pressesprecherin des Brookfield-Zoos in Chicago, die sich offenbar von der dem Eisbärenbabyniedlichkeitswahn verfallenen Öffentlichkeit zurückgesetzt sieht.

Da aber an Knuts „First Mover Advantage“ nunmal nichts mehr zu ändern ist, hat sich Ms Katzen wohl an an das nächste Kapitel in ihrem Marketing Lehrbuch erinnert und konstruiert ihre Kommunikationspolitik nun im „second-but-better“ Paradigma. Wie Spiegel Online berichtet, präsentierte der Brookfield-Zoo jetzt ebenfalls sein Eisbärenbaby – und

„[d]ie Zoosprecherin ließ die Öffentlichkeit gleich wissen, ihr Tier sei niedlicher als Knut.“

Dumm ist halt nur, daß er oder sie wie die kleine Elefantendame noch keinen Namen hat – das macht das Reimen („Knut ist gut!“) und damit die Identifikation für die Primärzielgruppe prohibitiv kompliziert. Diese Lektion sollten die Zoosprecher dieser Welt eigentlich mittlerweile gelernt haben.

Allerdings steht es um die Karriereaussichten des noch namenlosen amerikanischen Knutgenossen gar nicht so schlecht – auch er hat noch alle Chancen auf einen Botschafterposten. Nicht als Botschafter gegen den Klimawandel natürlich: den Job hat Sigmar Gabriel schließlich schon Knut versprochen.

Aber wenn die Chicagoer Zoodirektorin clever ist und ein wenig die deutsche Debatte um Krippenplätze, Rabenmütter, Eva Herman und die katholische Bischofskonferenz verfolgt hat, dann wird sie ganz schnell mit dem „family values“-Flügel der CDU und dem Augsburger Bichof Mixa Kontakt aufnehmen.

Zwar ist nicht bekannt ob Knuts Mutter ihn aus karrieregründen verstoßen hat, aber für die Rabenmutterdiskussion und die Frage, was denn für die Eisbärenbabyerziehung am besten sei taugt sie allemal. Denn nicht nur wurde Knut nicht von seiner Mutter erzogen – seine Aufzucht lag auch noch in den Händen eines Mannes.

Knut mag zwar heute etwas weißer und flauschiger aussehen, wie Ms Katzen zugab, weil er von Menschenhand gepflegt werde. Ihr eigenes, vier Monate altes, Eisbärchen dagegen sei

„von seiner Mutter großgezogen worden und sehe daher natürlicher aus.“

Über die möglichen früheisbärlichen psychologischen Schäden der Berliner Vorgehensweise schwieg sie diplomatisch sich aus. Aber keine Angst, darüber werden uns entweder die Bild-Zeitung („Tierschützer will süßen Knut totspritzen!“), die Knut für eine andere Boulevardzeitschrift interviewende Tierpsychologin oder die CDU/CSU Bundestagsfraktion auf dem Laufenden halten.

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