Für die Frankfurter Rundschau stellt Harry Nutt heute mal – hinter vorgehaltener Hand und sich seiner Sache noch nicht so ganz sicher – die Axiomatik der Kampagne in Frage, den medial konstruierten Rationalitätsmythos „Es geht uns/Dir schlecht“.

„Am Montag lief der erste Spot im Fernsehen, der Dir neuen Mut machen soll. Zeitungsanzeigen hattest Du auch schon gesehen, auf denen Du lesen konntest: „Du bist Claudia Pechstein“. Was ist hier eigentlich los? hattest Du Dich gefragt. Eislaufen gegen die Tristesse? Das große Gleiten gegen die Arbeitslosigkeit? …

Halt! Frag jetzt nicht weiter. Du klingst schon wie Reinhard Mey: „Du bist so wunderbar negativ/und so erfrischend destruktiv“. Angefangen hatte alles natürlich wieder einmal bei Harald Schmidt. In einer kleinen Serie seiner Show hatte er deutsche Weltmarktführer vom Hundepuddinghersteller bis bis zum Knopfproduzenten vorgestellt. Lauter vorbildliche Wirtschaftsanstrengungen, aus denen Du Mut schöpfen solltest, damit es bald wieder aufwärts gehe mit Dir und Deinem Land. …

Sorgen bereitet Dir nur die parlierende Klasse, dieses allzu freundlich wirkende Aufrufkartell. Die versammelte moderierende Mittelmäßigkeit von Günther Jauch über Ulrich Wickert bis Anne Will ist so beseelt von der nationalen Ermutigung, dass Du Dich fragtest, ob nicht irgend eine Sekte hinter der ganzen Sache steckt. Sind aber nur 25 führende deutsche Medienunternehmen, versuchtest Du Dich zu beruhigen. Aber zu spät, er war da, der Zweifel, …“