„Ich möchte Dich einmal Streicheln.“

Daß weniger abstrakte Gesellschaften weniger Leid erzeugen wäre eine alberne Behauptung, sonst gäbe es für viele Menschen ja gar keinen Grund, aus ihrer Heimat zu fliehen. Aber selten kommt der mikroinstitutionalistische Konflikt von Regelsystem und Menschlichkeit so klar und für alle schmerzhaft zum Vorschein wie hier. Es ist der Kanzlerin anzurechnen, daß sie hier am Ende ein wenig als Mensch aus ihrem Amt heraustritt, nachdem sie zuerst nicht verstanden zu haben schien, daß das Mädchen eben kein Amt hat, daß es ihr wohl kaum um eine Performance im politischen Theater ging – „Das hast Du doch gut gemacht!“ – auch wenn die Situation dadurch erst Recht peinlich wurde. Aber solche Momente des medialen und kontextuellen Regelbruchs erzeugen ihre eigene politische Dynamik, egal wie abstrakt das Regelsystem ist, das die Personen in Funktionen einbindet. Man wird sehen, was die Begegnung mit diesem Mädchen mit Angela Merkel – und vielleicht uns allen – machen wird.

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