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Master of Sex – der Kinsey von Mainz

Vor ein paar Monaten wurde ich über eine Pressemitteilung der Uni Mainz auf eine höchst spannende Studie zum Thema „Casual Sex“ aufmerksam, die Andreas Baranowski vom Psychologischen Institut der Uni Mainz durchgeführt hat. Irgendwann im April haben wir uns daher mal zwei Stunden zusammengesetzt und darüber gesprochen. Seitdem hat es die Studie sogar schon bis in die Radioshow von Dan Savage in den USA geschafft. Ein paar Ergebnisse meines Gesprächs mit dem „Kinsey von Mainz“ habe ich für Campus Mainz festgehalten, nachzulesen sind sie hier:

Das Geheimnis für spontanen Sex? Frauen sind komplexer. Und Männer auch.

Bildquelle: CC Attribution 2.0 Generic, Jonathan Rolande, https://www.flickr.com/photos/jonathanrolande/16986902546/

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Das Unbehagen der Unsichtbaren.

Stefan Niggemeier hat in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen guten Artikel über die merkwürdige aktuelle Debatte über Tolernz oder Akzeptanz von Homosexualität geschrieben, die sich an der letztwöchigen Maischberger Talkshow zum Thema „Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die ‚moralische Umerziehung‘?“ bzw. der Petition zum Thema in Baden-Würrtemberg entzündete, aber er schneidet das zentrale Wahrnehmungsproblem, das aus meiner Sicht vor allem der Grund für diese Debatte ist, leider nur kurz an:

„Es geht um einen elementaren Teil seiner Identität, um Aspekte seines Lebens, die bei Heterosexuellen völlig selbstverständlich Teil des öffentlichen Lebens sind.“

Ich glaube genau diese Selbstverständlichkeit ist der Ursprung des Problems, weil sie – bei allen Vorteilen – eben auch zu einer Unsichtbarkeit von normhaften Verhalten führt, das deswegen auch nicht wirklich diskursiv thematisiert wird, nicht als Teil der Debatte wahrgenommen wird. Was dann vermutlich fast zwangsläufig das Gefühl entstehen läßt: wir reden immer nur über 5%. Weil ja nur dieser Teil des gesamtem Spielfelds explizit und medial beleuchtet wird.

Ich glaube nicht, daß die meisten der Gegner von „Sichtbarkeit“ diese tatsächlich, wie Niggemeier das formuliert, „als einen Angriff auf ihr gottgegebenes Recht, Homosexuelle und deren Liebe weiter als unnormal und defizitär abzuwerten.“

Ich glaube eher, daß es sich dabei um ein sehr menschliches und narzisstisches Phänomen in einer medial geprägten Realität handelt. Ein Unbehagen, das sich weniger aus der Aufwertung einer anderen Identität speist, sondern aus der wahrgenommen Unsichtbarkeit der eigenen Identität. Ich glaube, es ist für die meisten Menschen zu viel Abstraktion, heterosexuelles Händchenhalten als Teil einer gesellschaftlichen Diskussion über sexuelle Identität zu begreifen.

Daher weiß ich auch nicht, ob sich dieses Wahrnehmungsproblem wirklich lösen läßt, denn die Unsichtbarkeit ist ja ein Wesensmerkmal jeder Norm.

Schwierig.

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