France, internet, web 2.0

Öffentliche Personen, private Statements.

Angesichts des neuesten Ausfalls des französischen Präsidenten, der einem unliebsamen Passanten auf der Pariser Landwirtschaftsmesse eine unschöne Aufforderung zum Wechsel seines Aufenthaltsorts an Kopf warf, beschäftigt sich Andreas Schepers auf Spreeblick mit der wohl bedeutendsten Frage der politischen Kommunikation in der neuen medialen Realität:

Welche Konsequenzen wird es haben, wenn jede halböffentliche Bemerkung eines Politikers aufgezeichnet und per Internet verbreitet werden kann?

Niemand weiß es. Das Problem sind dabei vermutlich auch weniger Ausraster wie die Sarkozys – wenn dieser Auftritt nicht in ein zunehmend von den präsidentiellen Eskapaden genervtes (europäisches!) Umfeld gefallen wäre, wäre das Video nicht mal halb so interessant – sondern die Unmöglichkeit unterschiedliche Zielgruppen mit spezifischen Botschaften anzusprechen, ohne dabei komplett kryptisch zu werden. Bestes Beispiel hierfür ist doch die Tatsache, daß der amerikanische Präsident in Texas kein „texanisch“ mehr reden kann, wenn er darauf achten muß, daß seine Äußerungen in Crawford keine Probleme in New York oder in Brüssel kreieren.

Vielleicht finden sich Hinweise darauf in der Forschung von Kommunikationswissenschaftlern wie Danah Boyd (papers, blog) aus Berkeley, deren Vortrag zum Privatsphäeren-Management von Teenagern ich vor einiger Zeit in Paris hören konnte.

Erklären Teenager auf facebook die Zukunft politischer Kommunikation? On verra…

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internet, quicklink, web 2.0

The digital divides.

The internet is certainly bringing people closer together. But it’s really more – some people than all people. Digital Inspiration has a couple of interesting visualisations of the current (well, recent) global digital divide. It’s also quite interesting to see which parts of the world are using which social networking service (add. diagram by LeMonde)

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Bürgerrechte, Datenschutz, German Politics, internet, privacy

Stasi 2.0 – DEMO IN WIESBADEN

Der Flyer sagt eigentlich alles. Aus der Ankündigung –

„Parallel zur Großdemonstration in Berlin initiiert der Chaos Computer Club Mainz einen Protestmarsch in der Hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Gemeinsam wollen die Demonstranten zeigen, dass sie nicht mit der “Sicherheits”-Politik hierzulande einverstanden sind. Sie Protestieren gegen den Bundestrojaner ebenso wie gegen die Vollprotokollierung der gesamten innerdeutschen Kommunikation.“

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internet, privacy

The un-googleables of bygone days.

After reinstalling Windows, I just reattached a hard drive with a few hundred scanned childhood picturs and watched Picasa index them. At some point I started googling the names of some of the people on the pictures I haven’t been in touch with for at least a decade, only to find that Google is usually totally oblivious of their existence, which, to my own surpise, surprised me.

So I’m wondering – has it already become unusual to not have a googleable online identity?

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France, media

What’s in a title.

Clearly demonstrating a profound lack of understanding of social media as well as the urgency of a useful legal framework for „citizen journalists“,

[t]he French Constitutional Council has approved a law that criminalizes the filming or broadcasting of acts of violence by people other than professional journalists. The law could lead to the imprisonment of eyewitnesses who film acts of police violence, or operators of Web sites publishing the images, one French civil liberties group warned on Tuesday.

Source: France bans citizen journalists from reporting violence | InfoWorld

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demography

Netzbasierte Integration.

Der Blogbote informiert über einen in der Welt erschienenen Artikel von Süleyman Artiisik, der sich mit der Internet-Nutzun junger Türken in Deutschland auseinandersetzt. Auch wenn im Artikel die Befürchtung einer von ethnisch ausgerichteten Subnetzen geprägten Parallelwelt als nicht gegeben angesehen wird – denn zumeist würde das Netz für „Liebe und Flirten“ genutzt – kann man den Artikel auch anders interpretieren.

So wie sich z.B. in Saudi Arabien über das Netz und die schnelle Verbreitung von Mobiltelefonen neue Wege der geschlechtlichen Annäherung ergeben haben, über die die religiöse und kulturelle Autorität schon aus manngelndem Verständnis nur geringe Kontrolle haben, so scheint es auch im Falle der für türkische Immigranten gemachten Online Angebote zu sein –

Die beliebtesten Themen sind dabei Liebe, Flirt und Partnerschaft. „Besonders für ein türkisches Mädchen aus einer traditionellen Familie fällt es leichter, sich im Netz mit Männern auszutauschen als in der realen Welt“, sagt Kulmac. Viele dieser Mädchen hofften somit auf diese Weise den Mann fürs Leben zu finden.

Austausch mit Männern? Ob das nun eine Parallelwelt zur „offline-Realität“ vieler junger türkischstämmiger Frauen ist, oder, wie der im Artikel befragte Experte für sogenannte Ethnoportale, Kai-Uwe Hugger, meint, „[eine neue kommunikative] Zwischenwelt, [die] sie als Ressource für den eigenen Identitätsaufbau zu nutzen,“ das ist wohl eher zweitrangig.

Wichtig ist die Erkenntnis, daß das Netz seinen Beitrag zur kulturellen Integration zu leisten scheint. Trotz aller politischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht wurden und werden.

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compulsory reading

Handy-Kunde

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Bestand noch Recht und Billigkeit.
Da wurden auch aus Kindern Leute,
Aus tugendhaften Mädchen Bräute;
Doch alles mit Bescheidenheit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Es ward kein Jüngling zum Verräter,
Und unsre Jungfern freiten später,
Sie reizten nicht der Mütter Neid.
O gute, Zeit, o gute Zeit!

Da das „Mozartjahr“ 2006 nun ja glücklicherweise seit einem Monat vorrüber ist und die Gesellschaft für deutsche Sprache erfreulicherweise auch nicht „Köchelverzeichnis“ zum Wort des Jahres gekürt hat, ist eine kleine Mozartreferenz wohl gestattet. Schließlich hat er die obigen Worte der Alten auch nur vertont, wenn Sie ihm wohl auch allzu heftig aus dem Herzen gesprochen haben dürften: Die Alte, das schönste mir bekannte Gedicht über die Ewigkeit des Generationenkonflikts stammt aus der Feder von Friedrich von Hagedorn. An der Wahrheit seiner Erkenntnis dürften wohl auch im Jahre 2007 keine Zweifel aufkommen, wenn sich das Kampfgeschehen auch zunehmend digitalisiert.

Der Lehrer als Undercover-Agent seiner Generation

War der Konfliktstoff zu meiner Zeit noch das Ausmaß von Sexualerziehung im Biologieunterricht einer katholischen Schule, so ist es heute das verflixte Handy, Internet – also jugendliche Kommunikationsnetzwerke, die die Alten nicht verstehen können und denen sie gegenwärtig ihre Ängste vor Kontrollverlust verdanken, auch wenn eher das Gegenteil der Fall sein dürfte: Danah Boyd von der School of Information (früher SIMS) in Berkeley hielt auf der LeWeb3 Konferenz in Paris einen Vortrag über ein ähnlich gelagertes Problem: Die Konsequenzen der elterlichen (oder behördlichen) Nachvollziehbarkeit von jugendlicher Peer-Gruppen Kommunikation über Seiten wie myspace.com, die von allen einsehbar sind.

Insofern stellt sich mir die Frage, ob sich hinter der Aufforderung der Medienwissenschaftlerin Iren Schulz, die laut heise online mit einer Art Handy-Kunde im Unterricht die Medienkompetenz von Schülern fördern möchte, nicht eher der Versuch verbirgt, die Kontrollkompetenz der Eltern und Erzieher mit Unterrichtsmitteln zu verbessern.

Aber gerade weil die Untersuchung von jugendlichen Netzwerken für den Erkenntnisfortschritt im Bereich neuer Kommunikationstechnologien von enormer Bedeutung ist (siehe auch den vorigen Beitrag) sollte man meines Erachtens trotz aller Ängste der Elterngeneration um den Bestand der Zivilisation angesichts von Gewalt- und Porno auf dem Minibildschirm vorsichtig mit spezifischen Regulationen sein. Natürlich lösen, da hat Frau Schulz ohne Zweifel Recht, auch

„[s]chlichte Handy-Verbote in der Schule wie in Bayern … das Problem nicht.“

Aber das gilt wohl auch für eine „Handy-Kunde“, bei der die Schüler ihrem Lehrer vermutlich zunächst mal erklären werden, warum sein Gerät eigentlich seit 4 Jahren auf den Sondermüll gehört. Auf die Spezifizität von technischen Veränderungen und die sich aus ihnen ergebenden gesellschaftlichen Herausforderungen läßt sich nicht sinnvoll mit spezifischen Maßnahmen reagieren. Das Ziel der Bildungspolitik in diesem Zusammenhang sollte einzig die offenbar verbesserungswürdige Vermittlung allgemeiner Prinzipien sein, die die Entscheidungen von Jugendlichen auch in neuen technologischen Umfeldern leiten können: Kant gilt auch bei eingeschaltetem Handy.

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Bürgerrechte, Datenschutz, internet, privacy

Read! Netzpolitik.org! Now!

Ich habe schon seit einiger Zeit keine Blogroll mehr (die, die David für afoe angelegt hat, ist ohnehin ziemlich konkurrenzlos), aber netzpolitik.org, ein Blog rund um die politischen Themen der Informationsgesellschaft, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Onlinelektüre geworden – und das will schon was heißen.

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web 2.0

Germany Blogs (a little)

Wie ich blogge?!True, the relatively small size of the German blogosphere, just as the relatively large size of the French one, has always been an interesting phenomenon leading to all kinds of cultural hypotheses and repetitions of all too common stereotypes. But, believe it or not – Germany Blogs!

At least that’s the hypothesis – and in order to find out more about the endangered species „German blogger“, Jan Schmidt at the University of Bamberg is conducting a survey called „Weblogs 2005 – Bloggen im deutschsprachigen Raum“.

So, whether you’ve started yesterday or in 1999, or, like me, in 2002 – fill out the survey to demonstrate clearly that the claim is actually true : Germany blogs!

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