"Kachelmann-Urteil-Alice-Schwarzer1" by Itu - Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kachelmann-Urteil-Alice-Schwarzer1.jpg#mediaviewer/File:Kachelmann-Urteil-Alice-Schwarzer1.jpg
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Haarig nicht nur unter den Achseln. Alice Schwarzer diskutiert nicht gerne.

Viel böses Blut floß aufgrund von Alice Schwarzers Entscheidung, für die Bild-Zeitung Werbung zu machen – mit dem Slogan „Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht.“ Nachdem Alice Schwarzer ja ohnehin glaubt, „Die Antwort“ zu kennen, war es für den Springer Verlag sicher ein Leichtes, ihr mit dem Slogan so sehr zu schmeicheln, daß ihr schwarz vor Augen wurde.

Daß jemand, der unerschütterlich glaubt, die Wahrheit zu kennen, lieber verkündet denn diskutiert, ist zwar theoretisch durchaus einleuchtend, aber praktisch mitunter eher verstörend – wie Stefan Niggemeier angesichts des von kritischen Kommentaren gereinigten Gästebuches auf Alice Schwarzers Webseite erfahren mußte. Neu ist daran allerdings gar nichts. Nutzte sie Diskussion und Provokation vor langer Zeit gerne und so oft wie möglich, scheint Alice Schwarzers Unwille sich auf kritische Diskussionen einzulassen in dem Maße zugenommen zu haben, in dem eine Vielzahl ihrer Ansichten zur bundesrepublikanischen Mehrheitsposition wurden.

Zum Geburtstag von Alice Schwarzers Zeitschrift „Emma“ habe ich Anfang des Jahres einen bis dahin unveröffentlichten Bericht über meine Begegnung mit der Frontfrau des deutschen Feminismus veröffentlicht. Es ist ein Bericht über eine Begegnung, die mir schon vor einiger Zeit – Anfang 2004 – klar machte, was Stefan Niggemeier offenbar erst angesichts der Reinigung der Schwarzerschen Webseite aufgefallen ist: Alice Schwarzer diskutiert nicht gerne!

Aber fangen wir am Anfang an…

Die von einer Künstlergruppe iranischer Exilantinnen organisierte Diskussion im Mainzer Landesmuseum stand unter dem Titel „Kopftuch als System – machen Haare verrückt“. Dank der Zusage von Alice Schwarzer zog die kaum beworbene Veranstaltung ein überaus buntes bundesdeutsches Publikum an, bestehend aus mehr oder weniger aggressiven iranischen Exilanten, fanatischen und weniger fanatischen Trägerinnen verschiedenster Kopftuchvarianten, jeder Menge „geifernder Emmas“ (herzerwärmend, an mich gerichtet: „Was machen Sie eigentlich als einzelner Mann hier?“, „Für Männer gibt’s hier nichts!“), konservativen und konservativeren Leitkulturpropagandisten auf Koalitionssuche, einigen liberalen Bildungsbürgern, und einer Handvoll Journalisten und Kriegsberichterstattern wie mir.

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