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Fastnachtsdienstag…

ist, wenn man mal ehrlich ist, doch der eigentliche Aschermittwoch. Nach dem karnevalistischen Orgasmus am Rosenmontag wirkt der folgende Dienstag doch zwangsläufig wie ein zu lange geratener Epilog eines spannenden Films oder der allzu oft zu beobachtende unerträglich hingezogene Abschied einstmals Mächtiger.

Nicht, daß ich deswegen den Aschermittwoch vorverlegen wollte – man stelle sich nur mal vor, all die an den morgen stattfindenden politischen Aschermittwochen Beteiligten hätten zum Abbau des am Rosenmontag konsumierten Alkohols ohne den Fastnachtsdienstag auskommen müssen -, aber wir sollten seine wirkliche Aussage trotz, oder wegen, Katerstimmung nicht vergessen.

Und hier, zur Erinnerung, hat Die Zeit noch ein paar Bilder aus Brasilien – ZEIT online – Carnaval do Brasil.

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Salgueiro.

Angesichsts der Bilder vom Rosenmontagszug aus Mainz, Köln und Düsseldorf mag man das kaum glauben, aber Karneval wird in Brasilien tatsächlich noch etwas ernsthafter betrieben als hierzulande – allerdings auch etwas extatischer.

Es gibt viele Vorurteile gegenüber dem Karneval in Brasilien – zu viel Sex, zu viele Drogen, zu viel Gewalt. Das meiste davon ist übertrieben, auch wenn es wohl stimmt, daß man zumindest im Norden von Rio nach 22 Uhr nicht an roten Ampeln halten sollte. Ich selbst habe mich weder in Rio noch in einer anderen brasilianischen Stadt unsicher gefühlt, auch wenn das vermutlich damit zusammenhängt, daß ich selten ohne meine ortskundigen Freunde unterwegs war.

Andererseits, zuviel Ortskenntnis könnte auch problematisch sein, wie die folgende Meldung auf Spiegel Online suggeriert. Tragisch, aber vielleicht hilft der zeitliche Zusammenhang mit dem Karneval das Bewußtsein für das Gewaltproblem in Rios Norden zu schärfen. Salgueiro wird dennoch „meine Schule“ bleiben – wer einmal dort gefeiert hat, wird verstehen, wieso. Und ich war schon zweimal da…

Rio de Janeiro – „Es könnte eine Hinrichtung gewesen sein“, sagte ein Polizeisprecher. Etwa 20 Schüsse habe ein Unbekannter mit einem Sturmgewehr abgegeben, berichteten brasilianische Medien. Die Polizei wollte das nicht bestätigen. Der 40-jährige Vize-Leiter der Sambaschule Salgueiro, Guaracy Paes Falcao, war sofort tot. Auch seine Frau wurde erschossen. Bereits 2004 war der Bruder von Falcao ermordet worden. Als Hintergrund vermutet die Polizei einen Revierkampf im Glücksspiel-Milieu.

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