Staatstheater Mainz / Copyright Andreas Etter
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„Begehren“ im Staatstheater Mainz

Bildquelle: Staatstheater Mainz / Copyright Andreas Etter – Gestern Abend hatte ich Gelegenheit „Begehren“ von Gesine Schmidt (Regie Brit Bartkowiak) im Staatstheater Mainz anzusehen. Die Rezensentin von nachtkritik.de war sich ziemlich sicher, daß das Stück nicht funktioniert.

Und ich würde Ihr da nach meinem Besuch ein kleines Stück weit Recht geben, aber nicht, weil die Regisseurin, wie von Ihr vermutet, keine zündende Idee gehabt hat, sondern, weil sie die doku-fiktionale Feldforschung, die ihr in die Hand gedrückt wurde, so genommen hat, wie sie offenbar ist.

Gesine Schmidt scheint zu glauben, mit dem Aufzählen von Paraphilien und einem Einkauf in der BDSM-Abteilung des Sexshops ihres Vertrauens das Phänomen „Begehren“ auserzählt zu haben. Das ist allerdings ein fataler und letztlich – gerade für Autoren – eigentlich auch offensichtlicher Trugschluß. 

Insofern hat die Inszenierung von Brit Barkoviak dem Text von Gesine Schmidt letztlich ein Meta-Element Wahrhaftigkeit hinzugefügt. Denn so wie im aktuellen gesamtgesellschaftlichen Diskurs Sexualität oft entweder rein sportlich gesehen oder als gewalttätig problematisiert wird, und letztlich alle aneinander vorbei reden müssen, weil sie den Kern des Themas „Begehren“ nicht sehen können, weil der ja nichts ist, was sichtbar werden kann, tun das auch die Charaktere auf der Bühne.

Insofern, gelohnt hat sich der Besuch im Mainzer Staatstheater durchaus.

Bildquelle: Pressefoto Staatstheater Mainz / Copyright Andreas Etter
(http://presse.staatstheater-mainz.com/category/pressefotos-aktuell/)

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Screenshot of avidemux.sourceforge.net
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Avidemux: Videos drehen leicht gemacht, ohne erneutes Kodieren.

Servicepost: Mittlerweile trägt ja fast jeder in Form seines Handies ein komplettes Videostudio in der Hosentasche herum. Waren früher noch stundenlange Vorbereitungen für die Aufnahmen von Super 8 Filmen nötig, zieht man heute einfach das Telefon aus der Tasche und erstellt damit oft sogar besseres Bildmaterial als es noch vor wenigen Jahren professionelle Kameras konnten.

Allerdings passiert es dabei nicht nur mir immer wieder, daß das Handy falsch herum gehalten wird bzw. nicht erkennt, wo oben und unten auf dem Bild ist. Das führt dann dazu, dass das Video mit einer falschen Orientierung abgespielt wird, was mich immer wieder nervt.

Während eine Bilder-Rotationsfunktion z.B. im Windows Explorer eingebaut ist, ist das für Videos nicht so einfach – und vor allem schnell zu haben. Zwar können die meisten Video-Editoren Bildmaterial problemlos drehen, wollen es dann aber gleich noch mal neu berechnen, was je nach länge und Qualität des Originals, gerade bei den immer belibeteren 4K-Videos, schon mal dauern kann.

Nach längerem Suchen bin ich allerdings auf ein kleines Freeware-Juwel namens avidemux gestoßen, das die meisten Videos völlig ohne weitere Eingabe korrekt rotiert und ohne erneutes Kodieren einfach abspeichern kann. Sollte es bei der automatischen Rotationsfunktion zu Schwierigkeiten kommen, kann man die Rotationsrichtung auch noch als Filter einstellen, was allerdings dann eine Neuberechnung zur Folge hat.

Allerdings konnte ich bei ca. 20 auf diese Weise rotierten Videos keine Fehler feststellen. Ich vermute, daß avidemux einen festen Platz in meiner Software-Kollektion gefunden hat. Vielleicht ist es ja auch die Lösung für Eure Probleme.

 

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#merkelstreichelt

„Ich möchte Dich einmal Streicheln.“

Daß weniger abstrakte Gesellschaften weniger Leid erzeugen wäre eine alberne Behauptung, sonst gäbe es für viele Menschen ja gar keinen Grund, aus ihrer Heimat zu fliehen. Aber selten kommt der mikroinstitutionalistische Konflikt von Regelsystem und Menschlichkeit so klar und für alle schmerzhaft zum Vorschein wie hier. Es ist der Kanzlerin anzurechnen, daß sie hier am Ende ein wenig als Mensch aus ihrem Amt heraustritt, nachdem sie zuerst nicht verstanden zu haben schien, daß das Mädchen eben kein Amt hat, daß es ihr wohl kaum um eine Performance im politischen Theater ging – „Das hast Du doch gut gemacht!“ – auch wenn die Situation dadurch erst Recht peinlich wurde. Aber solche Momente des medialen und kontextuellen Regelbruchs erzeugen ihre eigene politische Dynamik, egal wie abstrakt das Regelsystem ist, das die Personen in Funktionen einbindet. Man wird sehen, was die Begegnung mit diesem Mädchen mit Angela Merkel – und vielleicht uns allen – machen wird.

(crossposted from: https://www.facebook.com/tobias.schwarz/posts/10154131856674062)

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41,5%. Ein paar Worte noch zur Bundestagswahl.

Das (vorläufige) amtliche Endergebnis der Bundestagswahl wurde bekanntgegeben: Union: 41,5 %, SPD: 25,7 %, Grüne: 8,4 %, FDP: 4,8 %, Linke: 8,6 %, Piraten: 2,2 %, AfD: 4,7 %, Sonstige: 4,1 %

Ich lehne mich mal ungefähr 10cm aus dem Fenster und sage: es gibt am Ende eine große Koalition. Schwarz-grün wäre mir zwar lieber, sehr viel lieber, aber die Grünen sind dafür wohl 5 Punkte zu schwach. Wer sollte das da jetzt bei der Nachrichtenlage durchpeitschen, trotz der Merkel’schen Fukushima-Wende, die der CDU für genau *diese* Situation Optionen verschaffen sollte und trotz des Rücktrittsangebots des bisherigen Vorstands. Nixon geht nach China, Rabin verhandelt mit Arafat. Ein starkes Ergebnis für die Grünen und ein unbeschädigter Vorstand, und am besten noch ein schwaches Ergebnis für die CSU, das wäre das Rezept gewesen. So wird das wohl leider nichts.

Ich hätte persönlich nicht gedacht, daß die Veggieday-Story die Grünen Stimmen kosten würde, was wohl der Fall war, genau wie bei den aktuellen Enthüllungen zur Parteiengeschichte. Hatte das für ein Rallying-Thema gehalten. Aber die deutlichen und rapide erfolgten Verluste implizieren, daß auch bei den Grünen die Parteibindung deutlich geringer sein dürfte, als oft vermutet wird. Zumindest die Welle des Erfolgs und der vermeintlichen neuen Bürgerlichkeit, auf der die Grünen in den letzten Jahren surften, ist jetzt wohl erstmal gebrochen. Die neue Bürgerlichkeit ist wohl mehr die alte Bürgerlichkeit als die mediale Öffentlichkeit glauben läßt, auch das zeigen schwarze Deutschlandkarten mit lila Flecken in Berlin Mitte und roten Flecken im Ruhrpott. Bleibt noch, das Ergebnis auf die sich offenbar mehr und mehr bemerkbare veränderte demographische Struktur zu schieben, und da ist sicher etwas dran. Aber die alten von heute sind die Hippies von gestern, also zieht auch das Argument nur sehr bedingt, auch wenn die Union ohne die über sechzig Prozenz der Alten sicher nicht so feiern würde. Stattdessen würden sich die Piraten über achtzehn Prozent der Erstwählerstimmen freuen.

Das mit der Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag ist tragisch, nicht nur weil ich – ja habe ich – FDP gewählt habe, sondern vor allem aufgrund der Vorratsdatenspeicherung, die jetzt wohl erst mal kommen wird, es ist aber auch vollkommen selbstverschuldet und eigentlich absolut verdient. Die Generation Westerwelle wird in die Geschichte eingehen, als diejenige, die den politischen Liberalismus in Deutschland vollständig beerdigt hat. Ob die kommende FDP unter (vermutlich?) Christian Lindner schon in der Lage sein wird, das zu ändern, steht dahin. Ein Dreitagebart allein macht noch keinen Liberalismus. Aber es ist vielleicht ein Anfang. Es gibt in Deutschland einen Bedarf und Wähler für eine echte liberale Partei: aber nicht, wenn diese liberale Partei nicht versteht, daß gerade in der Wirschaftspolitik Liberalismus in Deutschland etwas anderes bedeutet als anderswo, namentlich der angelsächsischen Welt. Das ist eine fundamentale Variable, die man schlicht nicht ignorieren kann, wenn man sich mit falsch verstandener Ordnungspolitik nicht dauerhaft in der APO positionieren will.

Enough said. Die FDP ist selbst schuld, bei den Piraten ist das nur zu 2/3 der Fall: Sie halten das Ergebnis von 2009 mit einer vermutlich weniger protestlastigen Wählerschaft. Das ist, bei der Mühe, die sie sich beim Selbstzerlegen gegeben haben, ein eigentlich recht positives Ergebnis. Es ist schade für die Netzpolitik, daß sich die Partei im internen Streit um, sorry, Kleinkram wie Zuschüsse für feministische Konferenzen aufgerieben hat und daß sie sich beharrlich weigert, zu verstehen, daß Politik nicht algorithmisch funktioniert, daß imperative Mandate schlicht nicht funktionieren können. Direct Democracy doesn’t scale. Auch prozentual nicht, wie man mal wieder erfahren durfte. Immerhin sind die Protestwähler jetzt wohl weitgehend bei der AfD untergekommen – die zwei Prozenz sind *echte* Piratenwähler, und das ist doch schon mal was.

Speaking of AfD, obwohl ich eigentlich nicht will – daher nur zwei Dinge: Zum einne empfinde ich die dauerhafte, pseudo-intellektuelle und arrogante Bezugnahme nicht weniger AfDler auf die Ökonomie als rufschädigend (nicht, daß es da noch viel zu beschädigen gäbe, aber trotzdem). Und zum anderen interessiert mich in diesem Fall mehr als bei anderen Parteien die Spendensituation: Keine andere Fringe-Protest-Partei hat jemals soviele große Plakate aufstellen können wie die AfD. Woher kommt das Geld dafür?

Große Siegerin der Wahl ist zweifelsohne Angela Merkel, die vermutlich auch ihre Lieblingskoalition zum Sparpreis bekommt, denn die SPD ist schwach, wenn auch nicht so schwach wie 2009. Die Schwäche dürfte sich allerdings im Laufe der Legislaturperiode als Problem erweisen, wenn sich in der SPD die Erkenntnis verbreiten wird, daß man mit der CDU eben tatsächlich nicht mehr auf einem Niveau spielt, es wirklich nur noch eine Volkspartei gibt. Ich vermute, daß die Bereitschaft, eine rot-rot-grüne Koalition einzugehen in dem Maße steigen wird, in dem sich diese Erkenntnis verbreitet. Geringere wahrgenommene Systemrelevanz dürfte sich in geringerer Bereitschaft zur Systemwahrung niederschlagen.

Peer Steinbrück war ein Kandidat der unerfüllten Versprechen, vor allem dem auf intellektuelle Führung gegen das Merkelsche Mantra des Abwartens. Oder des Versprechens auf Klartext, der Stinkefinger kam einfach viel zu spät und war bei allem Respekt, den die Geste ihm bei mir wieder eingebracht hat, letztlich auch zuwenig, und zu „punkig“, um verlorene Souveränität im Vergleich zu Mutti wieder zu finden. Steinbrück hätte die sicher schon früh erfolgte Erkenntnis, auf verlorenem Posten zu agieren, nutzen können. Hat er aber nicht, weil er nicht wollte, weil seine Partei nicht wollte, aus dem oben angesprochenen Punkt, aber auch, weil er nicht konnte. Es gab einfach, zum Beispiel beim Euro, keine radikal andere Sichtweise, kein fundamental bessere Analyse der Situation als die von Angela Merkel. Kleine Unterschiede im Detail rechtfertigen eben nicht einen Anspruch auf das „Er kann es besser!“ Da hätte mehr kommen müssen, und das konnte halt nicht funktionieren. Die SPD wird den Rest ihrer selbstwahrgenommenen Zeit als Volkspartei in einer kleinen großen Koalition absitzen, dann wird neu gemischt werden. Aber vermutlich nicht mehr mit der aktuellen Führungsriege.

Gregor Gysi wird das sicher freuen, und auch die anderen unbekannten SpitzenkandidatInnen der Linken. Neben Gysi und Gesine Lötsch hat in der ehemaligen Hauptstadt der DDR mit Petra Pau auch eine der gerade nach Auskunft von politischen Gegnern fähigsten und zähsten Abgeordneten ein Direktmandat geholt. Wie auch Hans-Christian Ströbele von den Grünen. Angesichts der schwarzen Übermacht bei den Direktmandaten ist Berlin damit fast schon sowas wie ein demokratisches Naturschutzgebiet. Oder wie es ein amerikanischer Autor mal in einem Bericht über Berlin formulierte: Berlin ist keine Hauptstadt, Berlin ist ein soziales Experiment, wenngleich die Linke ihren speziellen demographischen Vorteil in Berlin kaum auf Dauer behalten können wird.

Was bleibt? Deutschland ist schwarz, aber „schwarz“ ist eben nicht mehr das schwarz Adenauers oder Kohls. Man mag sich in der Mitte Berlins darüber irritiert geben, daß Angela Merkel Schwierigkeiten mit der Adoption durch homosexuelle Paare zu haben angibt, oder darüber, daß Kristina Schröder nicht in der klassischen Frauenbewegung sozialisiert wurde und jetzt auch noch die Karriere als Ministerin opfert, weil sie lieber bei ihrem Kind bleiben möchte, aber allein *das* ist doch schon ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sehr sich das Koordinatensystem des christlichen Konservatismus der CDU Deutschlands mit der Gesamtgesellschaft verschoben hat. Vermutlich mit Ausnahme der Vorratsdatenspeicherung, die jetzt wohl kommen wird.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und selbst wenn sie kommt, wird sie nicht einfach so kommen können, nicht ohne großen Knall. Das wird das erste große Thema der nächsten Legislaturperiode, nicht das nächste kleine Hilfspaket für Griechenland.

 

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Niggemeier dekonstruiert Gorny.

Großes Kino: Stefan Niggemeier dekonstruiert Dieter Gorny. Und den Rest der Branche. Das krasse ist ja, da ändert sich nix, weil sich da nix ändern muß, solange diejenigen, auf die die Lobbyarbeit zielt, keinen blassen Schimmer von der Ökonomie des geistigen Eigentums in einer vernetzten Welt haben, und die, die die Lobbyarbeit betreiben, immer noch glauben, daß sie deswegen das Netz doch noch zu „Music On Demand“ (anyone remember?) umbauen können.

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/understanding-dieter/

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My WordPress 2.8 wishlist

With the upcoming release of WP 2.7, the software is maturing a lot, and it’s also getting a lot more sexy, and not just visually. But if you know humans – we’re known to have unsatisfiable needs – it won’t surprise you that there are some things I’d like to see in version 2.8 that are not in version 2.7 yet. Here is a short list of the more important ones –

  • nested AJAX sorting of all hierarchical structures in WordPress – pages, categories, possible other taxonomies
  • on-the-fly creation of pages on the page management screen like it’s been done with categories in 2.7
  • easier selecting and managing of categories and tags via AJAX
  • an is_child() function to test if a particular hierarchical element is a direct or indirect child of another element
  • inline editing of post and page contents
  • better media/image handling

Looking beyond 2.8, I’d definitely like to see the creation of new post types and taxonomies to become core features, the latter effectively giving WP the ability to „simulate“ a multiblog without really being one.

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Sweet touches by U.

Da ich ja nicht wirklich eine aktualisierte Blogroll habe, möchte ich an dieser Stelle auf das niegel-nagelneue Blog einer guten Freundin hinweisen: Sie bloggt seit ein paar Tagen unter dem Pseudonym U. auf „sweet touch“ über all das, was den Alltag bereichert oder auch mal unerträglich macht. Letzteres ist wohl beim heutigen Eintrag zum Thema Freuden des Hauskaufs der Fall gewesen. Einfach mal reinlesen…

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Allgemein, oddly enough, sex

More on British sex (or the lack thereof)

Today, Reuters offers a possible, yet likely unrelated, explanation for the NHS’s attempts to help her majesty’s citizens to ’sexercise‘ sufficiently. According to the news agency

„half of UK men would swap sex for 50 inch TV.“

According to a survey of 2000 Britons, conducted by the British Electrical retailer Comet, asking what they would give up for a large television, it was allegedly found that 47 percent of men, yet only about a third of women would give up sex for half a year.

Questions of scientific and statistical validity notwithstanding, published just before Valentine’s day, even as a joke, that’s not exactly a compliment for British women…

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Happy New Year.

The sun rises over the Sydney Opera House on January 1, 2008Happy belated new year, gentle readers. For the last couple of weeks, I’ve been enjoying Australian hospitality. Unfortunately though, due to an unfortunate combination of hosting issues at home and lack of decent internet connectivity down under, I have not been able to blog my trip as I had planned to.

I will definitely recapitulate a couple of things over the next couple of days, but today I’m just content that I managed to get almostadiary back online without having to go through too much of a hazzle. So let me just wish you a happy 2008 before I’ll begin to reconstruct my sister’s blog, ‚boulot, métro, dodo‚, which, alas, has been just as affected by the server trouble.

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