Thomas de Maizière Bildquelle: Olaf Kosinsky / Wikipedia
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Ich bin einer Meinung mit Thomas De Maizière, wer hätte das gedacht.

Der Titel des (auf facebook verlinkten – http://taz.de/Kommentar-de-Maiziere-zu-Fluechtlingen/!5238323/) taz-Artikels läßt sich (auf facebook) leider nicht ändern, denn ich halte ihn ebenfalls für kalkulierte Hetze. Ich war in den letzten Jahren eigentlich nie einer Meinung mit dem deutschen Innenminister, welcher auch immer gerade im Amt war. Von Schily bis Friedrich und wieder Demaizère. Netzpolitisch stehen wir vermutlich für den Rest unseres Lebens auf zwei unterschiedlichen Bahnsteigen.

Aber ich finde, im Gegensatz zu allen Anfeindungen, die der Mann gerade von rechts und links, auch in der eigenen Partei, über sich ergehen lassen muß, beweist sich Thomas de Maizière in der Flüchtlingsfrage, angesichts der Herausforderungen für die Exekutive, aus meiner Sicht geradezu als Verteidiger des Rechtsstaats. Die Herausforderung ist zunächst logistisch, dann rechtlich und am Ende kulturell und wirtschaftlich.

Es ist ob des zyklisch auftretenden, immer nach Extremen suchenden medialen Hypes (entweder „Willkommenskultur“ oder „Gefahr durch Überfremdung“, letzte Woche noch eher ersteres, diese Woche eher letzteres) sehr schwer, sich ein fundiertes, sachliches Lagebild zu verschaffen, wenn man keinen Zugriff auf Daten der Verwaltung hat, und selbst die sind ja vermutlich im Moment eher erkenntnistheoretisch interessant als alles andere.

Ohne direkten Vorwurf ist sicher zu fragen, ob sich diese Flüchtlingsbewegung nicht klarer und eher abzeichtete und mehr Vorbereitung nötig gewesen wäre, und ob es eine azptable Situation ist, daß die politischen und bürokratischen Subsysteme in demokratischen Staaten von ihren eigenen Anreizsystemen letztlich dazu verdammt sind, solche Herausforderungen bis zum mitunter bitteren Ende aufzuschieben, weil sich die notwendigen Maßnahmen sonst schlicht nicht durchsetzen lassen. Und man wird sich auch die Frage gefallen lassen müssen, ob und welche Anreizwirkungen das eigene Handeln hatte, und ob und in wie weit es damit zur Gefährdung seiner eigenen Grundlagen beigetragen haben könnte. Es tut zweifelsohne weh, das zuzugeben, aber Moral ohne Machbarkeit ist nichts als ein leeres Versprechen.

Extreme Entwicklungen können schnell die Grundlagen eines Systems testen, dessen Parameter nicht auf solche Schocks eingestellt sind. Das mag man gut finden – wenn man das System als solches ablehnt, und darauf hofft, daß es fällt. Oder man kann den Versuch unternehmen, es zu verteidigen. Letzteres scheint, aus meiner Sicht, der Innenminister gerade zu tun.

Er hat dafür – im Moment – meine Unterstützung. Die Diskussion über Staatlichkeit und Souveränität und Menschenrechte, die es in Bezug auf die digitale Welt dringend zu diskutieren gilt, wird nun auch im territorialen Bezug (wieder) relevanter, als sie das lange war. Es ist wichtig, sie zu führen, und dabei auch niemanden auszuschließen, weil Worte fallen werden, die manchem weh tun mögen – die Welt ist, wie wir gerade mal wieder feststellen können, *kein* „safe space“. Aber diese Diskussion sollte erst dann geführt werden, wenn das erledigt ist, was jetzt zu tun ist.

#Deutschland #Innenpolitik #Außenpolitik #ThomasdeMaizière #Flüchtlingskrise #Medienkritik #CDU

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Bildquelle: Olaf Kosinsky / Wikipedia

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Contractualizing human sexuality.

It’s strangely fascinating to see how the American puritan and contractualist cultural heritage seems to interact with well-meaning (mostly feminist) „consent activism“ and Christian/social conservatism. Here’s a great article from the NY Times outlining the extent and current legal status of prospective regulation.

Given the tendencies outlined in the NY Times article, I supppose it’s not entirely absurd to imagine how the – I think – generally well-meaning activists will wake up one day and wonder how they managed to accidentally contribute to ending the „age of acquarius“ – the generally permissive socio-
sexual climate resulting from the „sexual revolution“.

And when they wonder how that happened, one of the answers may be found in a recent poll published in the Washington Post, question 32 of which inquires whether it’s worse if an innocent person gets punished for sexual assault, or a guilty person gets away with it.

While I thought „in dubio pro reo“ would be a no-brainer, a principle deeply rooted in all but very few people’s intuitive understanding of justice, that is apparently not the case for current US students and recent graduates, which were surveyed. Half of the respondents think that it’s worse if a guilty person gets away than if an innocent person is punished. I suppose that also explains a lot more about the US judicial system than merely bizarre attempts to legally regulate sexual activity.

http://apps.washingtonpost.com/g/page/national/washington-post-kaiser-family-foundation-survey-of-college-students-on-sexual-assault/1726/

There’s a number of really interesting items in the survey, although many reply ratios make me wonder if people were either lying to give what they assumed to be socially acceptable answers or simply did not understand the question as such.

originally appeared on facebook: https://www.facebook.com/tobias.schwarz/posts/10154215528294062

PS – if you ever need one, here’s how you get your consent contract: http://consentgear.com/collections/frontpage/products/consent-matchbook-consent-kit-with-condom-contract-consentconscious

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"PEGIDA DRESDEN DEMO 12 Jan 2015 115724078" by Kalispera Dell - http://www.panoramio.com/photo/115724078. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:PEGIDA_DRESDEN_DEMO_12_Jan_2015_115724078.jpg#mediaviewer/File:PEGIDA_DRESDEN_DEMO_12_Jan_2015_115724078.jpg
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Of Popper and Pegida. Open societies and anthropological imperatives.

It’s funny. Back at the LSE, where Popper taught and where I lived in an apartment named after him, when I wondered about the anthropological appropriateness of human coordination, I concentrated mostly on the problems arising from human interest seeking with guile given bounded human rationality. I never even wondered what else could challenge an open society.

Now, looking at the recent electoral successes of the populist right in some European countries, the new confused protests against „the system“ like Pegida in Dresden, and – as in the case of the young woman of the Polish nationalists portrayed in the Guardian’s video below – the intense desire of *inherent belonging*, I’m wondering more and more about the anthropological appropriateness of the more and more abstract societies that we live in – that our way of life technologically requires. Dissociation. What a philsophical chameleon. How can we combine these two layers in a way that takes both abstract universalism and the desire for inherent belonging seriously? Particularly when it’s a year without a Football Championship?

It’s a truly imperfect analogy, but somehow this reminds me of the way the Israeli sociologist Eva Illouz considers BDSM/50 Shades of Grey as a self-help movement trying to come to terms with the immensely conflicting modern individual meta narratives of autonomy and love. Ourselves dissociating from ourselves, in a way. Of course, putting this conflict on a stage doesn’t reconcile it – autonomy necessarily wins the real world. That’s how we rationally want it, even though we can’t seem to handle it.

So, in a way, the real question for us, in this dilemma, becomes: Knowing that, how can we let ourselves believe we still believe in love? And, in turn: Can we find a way to not feel dissociated in an abstract society, knowing that we are, and that we choose to be?

Are we able of believing that conscious lie? Maybe. After all, isn’t lying to ourselves how the existentialists got over the most fundamental dissociation? We *must imagine* Sisyphus happy, don’t we?

https://embed.theguardian.com/embed/video/world/video/2015/jan/19/pretty-radical-young-woman-poland-far-right-video

Originally posted on my Facebook profile – http://ift.tt/1zsUABC
Image source: „PEGIDA DRESDEN DEMO 12 Jan 2015 115724078“ by Kalispera Dell – http://www.panoramio.com/photo/115724078. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.

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Mehr Überwachung ist definitiv *nicht* Charlie.

Netzpolitik.org berichtet über erneute Überwachungsvorschläge der europäischen Innenminister, die heute in Paris vorgestellt wurden.

Man kann schlicht nie ausschließen, daß sich Irre eine Kalschnikow besorgen. Das Risiko kann nicht durch aktivistische, freiheitsbeschränkende Sicherheitspolitik.reduziert werden, sondern nur durch die eindeutige gesellschaftliche Botschaft, daß Terror eben nicht terrorisiert. Es sind die morgenluftschnuppernden Innenpolitiker, die das im Gegensatz zu immer mehr Menschen und Gerichten nicht verstehen und jetzt mal wieder die vermeintliche Gunst der Stunde zum Durchdrücken umstrittener Überwachungmaßnahmen nutzen wollen.

Aber wer die Freiheit beschränken will, um sie zu retten, ist nicht Charlie.

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Bildquelle: „Rassemblement 07 janvier 2015 Charlie Hebdo (6)“ by Corentin BéchadeOwn work. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

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Parteitagsantrag: Nichts gelernt – die CDU will immer noch die Vorratsdatenspeicherung.

Ach CDU, wie oft wollt Ihr Euch von den Verfassungsgerichten dieser Welt denn noch auf die Finger hauen lassen. Tut das nicht langsam ein bißchen weh? Ist das nicht langsam ein bißchen peinlich? Noch dazu, wenn doch klar ist, daß es dafür in der Zeit nach Snowden *weder* eine parlamentarische noch eine gesellschaftliche Mehrheit gibt? Nirgendwo. Zwei Tage nach dem Ende der Netzneutralität? Muß man dann mehr nicht verfassungsgemäße staatliche digitale Überwachung von Bürgern zum Parteitagsantrag machen? Gibt es denn echt nichts anderes, das man den Innenpolitikern zur Gesichtswahrung anbieten könnte, ohne gleich der Öffentlichkeit wieder klar zu machen, daß das ganze digitale Gerede keine Agenda sondern immer noch #Neuland ist?

Via netzpolitik.orgUnbelehrbar: CDU fordert Vorratsdatenspeicherung und Quellen-TKÜ

#Schade #Traurig #CDU #Parteitag #Netzpolitik

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Ein Regenbogen über der Mauer
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Mein Mauerfall. 25 Jahre danach.

Im Oktober 1989 war ich zum ersten Mal in Berlin, zum West-Weltstadtluftschnuppern. Damals noch mit der Pan-Am. Die gibt es auch nicht mehr.

Ich habe die Mauer gerade noch in ihrer trennenden Brutalität erlebt, im Blick von den Aussichtsplattformen am Brandenburger Tor und neben dem Gropius-Bau. Ein ähnliches Gefühl hatte ich erst 2009 wieder, als ich auf dem Gelände der Vereinten Nationen in Panmunjom aus Süd-Korea in den Norden blickte. Und dann 2012 im Banksy-Shop direkt an der Mauer in Bethlehem.

West-Berlin war für mich eine Insel der Ruhe vor dem Sturm. Am 18. Oktober saß ich zum Mittagessen mit meiner Schwester und meiner Mutter, die aus Schwerin stammt und 1955 die DDR verlassen konnte, im Kaffee Kranzler auf dem Ku’Damm. Ich konnte die damals noch vorhandene große Infowand am Haus gegenüber sehen, meine Schwester und meine Mutter nicht. Als ich las, daß Erich Honecker offenbar entmachtet worden war, konnte es meine Mutter nicht glauben. So erging es vermutlich vielen.

Just an diesem Tag, machten wir nach dem Mittagessen eine organisierte Stadtrundfahrt durch Ost-Berlin. Zwangsumtausch, Treptower-Ehrenmal, Pergamon-Museum und Kaffee und Kuchen. Letzteres war schon nicht mehr plangemäß durchführbar, zu viele der Mitarbeiter des staatlichen Bewirtungsbetriebs waren dem Ruf der Freiheit Richtung Ungarn gefolgt. Zerfall und Neuanfang waren hier fast schon mit beiden Händen greifbar, während sich die SED Spitze verzweifelt um Egon Krenz scharte. Auf dem Rückweg in den Westen wurde der Bus 45 Minuten untersucht. An einer Grenze, die es in dieser Form nur noch wenige Tage geben sollte.

Im Juni 1990, eine Woche vor der Wirtschafts- und Währungsunion der beiden deutschen Staaten, war ich zum zweiten Mal in Berlin. Diesmal lief ich durch das Brandenburger Tor. Und auf dem Weg nach Potsdam wurden nicht mal mehr unsere Pässe kontrolliert.

Heute bin ich relativ oft in Berlin. Weil zusammengewachsen ist, was zusammen gehörte. Es gibt zweifelsohne immer noch Dinge und Ansichten, die den Osten und den Westen Deutschlands voneinander trennen, insbesondere in Berlin. Aber eine Mauer ist es nicht mehr. Nicht in der Stadt, und nicht in den Herzen.

Auf Europa. Auf Deutschland. Auf Berlin. Arm, sexy, aber vereint. Und darauf, daß eines Tages nirgendwo auf der Welt mehr Familien, Freunde und Liebende von Mauern und Grenzen auf Karten und in Köpfen getrennt werden.

#fallofthewall25 | zuerst veröffentlicht auf facebook – http://ift.tt/1tjgXAs

An English version of this post has been published on A Fistful of Euros: http://fistfulofeuros.net/afoe/i-saw-the-wall-mr-gorbachev-tore-down/

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