Bürgerrechte, Datenschutz, media, privacy

Angst vor Google.

Matthias Döpfners (Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE) Google-Kritik in der FAZ ist wirklich lesenswert, auch wenn Google als Datenkrake angesichts der im letzten Jahr bekannt gewordenen Dimension staatlicher Überwachung möglicherweise nicht mehr so bedrohlich wirkt wie vorher. Der Artikel ist denn auch am stärksten an den Stellen, an denen er das gesellschaftliche Bedrohungspotential von Datensammlungen betont. Am schwächsten da, wo er die geschäftliche Abhängigkeit herausstellt.

Man kommt leider nicht umhin, sich zu fragen, inwieweit Döpfners Plädoyer für Freiheit und Datenschutz nicht ein wenig vorgeschoben ist. Es bleibt in diesem Zusammenhang abzuwarten, wie die Presseerzeugnisse seines Hauses auf solche Aussagen in den anstehenden Datenschutz-Debatten reagieren werden. Interessant finde ich auch die nur halbherzig versteckte regulative Drohung, mit der er schließt:

„Ein anderer Weg wäre die freiwillige Selbstbeschränkung des Siegers. Ist es wirklich klug, zu warten, bis der erste ernstzunehmende Politiker die Zerschlagung Googles fordert? Oder, noch schlimmer: bis die Bürger Ihnen die Gefolgschaft verweigern – solange sie noch können? Wir jedenfalls können es schon nicht mehr.“

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battleofthesexes, dating and gender, media, post-modernism, sex

Das Unbehagen der Unsichtbaren.

Stefan Niggemeier hat in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen guten Artikel über die merkwürdige aktuelle Debatte über Tolernz oder Akzeptanz von Homosexualität geschrieben, die sich an der letztwöchigen Maischberger Talkshow zum Thema „Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die ‚moralische Umerziehung‘?“ bzw. der Petition zum Thema in Baden-Würrtemberg entzündete, aber er schneidet das zentrale Wahrnehmungsproblem, das aus meiner Sicht vor allem der Grund für diese Debatte ist, leider nur kurz an:

„Es geht um einen elementaren Teil seiner Identität, um Aspekte seines Lebens, die bei Heterosexuellen völlig selbstverständlich Teil des öffentlichen Lebens sind.“

Ich glaube genau diese Selbstverständlichkeit ist der Ursprung des Problems, weil sie – bei allen Vorteilen – eben auch zu einer Unsichtbarkeit von normhaften Verhalten führt, das deswegen auch nicht wirklich diskursiv thematisiert wird, nicht als Teil der Debatte wahrgenommen wird. Was dann vermutlich fast zwangsläufig das Gefühl entstehen läßt: wir reden immer nur über 5%. Weil ja nur dieser Teil des gesamtem Spielfelds explizit und medial beleuchtet wird.

Ich glaube nicht, daß die meisten der Gegner von „Sichtbarkeit“ diese tatsächlich, wie Niggemeier das formuliert, „als einen Angriff auf ihr gottgegebenes Recht, Homosexuelle und deren Liebe weiter als unnormal und defizitär abzuwerten.“

Ich glaube eher, daß es sich dabei um ein sehr menschliches und narzisstisches Phänomen in einer medial geprägten Realität handelt. Ein Unbehagen, das sich weniger aus der Aufwertung einer anderen Identität speist, sondern aus der wahrgenommen Unsichtbarkeit der eigenen Identität. Ich glaube, es ist für die meisten Menschen zu viel Abstraktion, heterosexuelles Händchenhalten als Teil einer gesellschaftlichen Diskussion über sexuelle Identität zu begreifen.

Daher weiß ich auch nicht, ob sich dieses Wahrnehmungsproblem wirklich lösen läßt, denn die Unsichtbarkeit ist ja ein Wesensmerkmal jeder Norm.

Schwierig.

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almost a diary, Economics, German Politics, intellectual property rights, internet, media

Manifestieren.

Im vergangenen April, auf der Republica 2009, habe ich Stefan Niggemeier nach der gnadenlos langweiligen Blogger vs. Journalismus-Diskussion zwischen zwei Radiointerviews zum Thema noch gefragt, ob es ihn nicht langweile, seit Jahren mit den gleichen Leuten immer die gleichen Dinge zu diskutieren. Er meinte schlicht – „ja“.

Aber er begreift diese Diskussionen wohl auch als eine Art öffentliche Dienstleistung, als Bohren verdammt dicker Bretter vor den Köpfen mancher Menschen, die immer größere Schwierigkeiten haben, die sich progressiv virtualisierende Realität in ihre mentalen Interpretationsschemata zu pressen, so wie sie das beim Ausdrucken von Netzinhalten auf Din-A4-Seiten versuchen. Das Netz hat halt keine Seitenbegrenzungen.

Die Überwindung dieses konzeptionellen Grabens und die zumindest tendenzielle Beantwortung der wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen, die sich aus der Digitalisierung, dem Informationsparadoxon und der so immer schlechter funktionierenden „unsichtbaren Hand“ des Marktes ergeben sind eine Generationenaufgabe, in der man Redundanz vermutlich vor allem als eine Art kognitives Stützrad ansehen muß. In der Wiederholung liegt zumindest ein Teil der Kraft, denn Ideen, die sich nur als Folge von Zeichen, nicht aber in Köpfen manifestieren, sind eigentlich keine. Die Annahme der Aufgabe, mit Redundanz mentale Überzeugungsarbeit zu leisten, ist daher auch ein Zeichen der Anerkenntnis von gesellschaftlicher Verantwortung.

Der Weinerlichkeit des Heidelberger Appels und der Hamburger Erklärung wird heute von einigen Journalisten und Bloggern eine Alternative entgegengesetzt, die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit annimmt, und nicht den Untergang des Abendlandes, sollte bei diesem Internet nicht bald mal jemand den Stecker ziehen. Steht nix Neues drin, klar, und Probleme werden darin auch nicht gelöst. Wie auch? So geht das eben nicht. Das ist ja gerade der problematische Punkt an der Sache.

Aber das Manifest ist – wie die Piratenpartei und wie der Kulturkampf um die Netzsperren in diesem Sommer – ein Zeichen für die in meiner Generation wachsende Erkenntnis, daß man sich nicht mehr unter Berufung auf vermeintliche oder tatsächliche superiore Sachkenntnis oder die nicht seltene Unterträglichkeit von institutionellen Auseinandersetzungen aus diesen heraushalten darf. Der Preis wäre zu hoch.

Und daher werde auch ich das an sich redundante Internet-Manifest mitzeichnen, sobald es die Möglichkeit dazu gibt.

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compulsory reading, media

Marcel Reich-Ranicki is pretty cool, indeed.

There was a time, when one of Germany’s most interesting tv shows was one about books. The show was called „The Literary Quartet“ („Das literarische Quartett“) and its impressario was Marcel Reich-Ranicki, allegedly the most important contemporary critic of German literature (wikipedia entry in English).

Yesterday, he attended the the German television awards („Deutscher Fernsehpreis“), where he was supposed to be honored for his livetime achievements. But then, on stage, he refused to accept the award because of (my translation) all the bollocks we have seen here today.“

The apparently shocked presenter, Thomas Gottschalk, offered Reich-Ranicki a programme in which he could talk to the heads of German broadcasters about the quality of their programmes, which seemed to placate the laureate and apparently led him to later accept the price out of politeness.

Stefan Niggemeier, a media journalist, has more about this (in German) and notices that Reich-Ranicki probably had a point that goes beyond the quality of television programmes – MRR will Fernsehquatschpreis nicht.

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France, media

What’s in a title.

Clearly demonstrating a profound lack of understanding of social media as well as the urgency of a useful legal framework for „citizen journalists“,

[t]he French Constitutional Council has approved a law that criminalizes the filming or broadcasting of acts of violence by people other than professional journalists. The law could lead to the imprisonment of eyewitnesses who film acts of police violence, or operators of Web sites publishing the images, one French civil liberties group warned on Tuesday.

Source: France bans citizen journalists from reporting violence | InfoWorld

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cinema, media

The Life of Others II

I’m not too sure what I’m thinking about „Daily Variety“ reports from Hollywood indicating the possibility of a Hollywood remake of Florian Henckel von Donnersmarck’s „The Life of Others“ - „Das Leben der anderen“. After all the original just won the Oskar for „best non-English language film.“

Of course, those allegedly interested in midwifing the project, Bob and Harvey Weinstein as well as Sydney Pollack and Anthony Minghella, aren’t just anyone. But since the only successful Hollywood remakes of a European films I can think of off the top of my head were „Nikita“, „True Lies“, and „Three men and a baby“ – all of which weren’t exactly rooted in French culture, a remake of „The Life of Others“, seems like a natural candidate for a „lost in translation“-style disaster. I’m saying this inspite of my sympathy for every project exposing the danger of the eavesdropping culture that is slowly being established in the US as well as in Europe.

Maybe it was that what Steven Spielberg meant, when he, according to Donnersmarck’s own words, congratulated him after the ceremony by saying – „You’ll never get over this.“

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media, Sport

In dubio pro reo?

Gerade lief in der ZDF Nachrichtensendung „heute“ ein Bericht über die Pressekonferenz, auf der Jan Ullrich heute seinen Rücktritt vom Profisport bekannt gab. Die Kommentatorin beklagte dabei, daß Jan Ullrich

„wie fast alle Verdächtigen kein Schuldbewußtsein gezeigt habe.“

Wenigstens ist die kommentierende Redakteurin, wenn auch vermutlich unabsichtlich, ehrlich. Die wenigsten werden so offen vorverurteilen. Aber es zeigt, wie sehr uns allen, aber vor allem den Medien, allgemein – aber insbesondere in Bezug auf Doping (im Radsport) – die rechtlichen und moralischen Kategorien verschwimmen.

Das ist ein Problem bei dem wohl auch ein später Unschuldsbeweis für Jan Ullrich nicht helfen würde.

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media, oddly enough, US Politics

Patterns.

The Economist thinks there may be a pattern…

„HISTORY can be kinder to presidents than journalists and voters are. Like Truman, Johnson and Nixon before him, George Bush has seen his approval ratings wither under the burden of an unpopular war. But all three of those presidents look better now than they did when they were in power.…“ (American politics | Saving the Bush presidency | Economist.com, behind subscription wall)

I think The Economist has far too many „natural Republican“ readers in the US to maintain any kind of journalistic credibility in this respect. They should simply stop reporting the issue, but instead they keep writing and wet themselves whenever they put the name George W. Bush on the cover… that’s also quite some pattern.

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