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Der Spiegel stimmt ein: Hymne auf den FSV

Mara Braun erklärt für Spiegel Online wie ihr Verein sie fand und findet dabei Worte, die wohl jedem Spätberufenen aus der Seele sprechen werden…

Meine Liebe zu Mainz 05 ist eine späte, und manchmal finde ich es schade, dass ich, wenn ich irgendwann mit eigenen Kindern im Fanblock stehen werde, nichts davon erzählen kann, wie mich einst eine erwachsene Hand zum ersten Mal in die Nähe des heiligen Rasens geführt hat. Oder darüber, wie ich auf Papas breiten Schultern meine ersten Spiele gesehen und zu jedem Kindergeburtstag ein neues rotes Trikots bekommen habe. Dann wünsche ich mir seufzend, die gemeinsame Geschichte mit meinem Verein hätte viel früher begonnen.

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media, Sport

In dubio pro reo?

Gerade lief in der ZDF Nachrichtensendung “heute” ein Bericht über die Pressekonferenz, auf der Jan Ullrich heute seinen Rücktritt vom Profisport bekannt gab. Die Kommentatorin beklagte dabei, daß Jan Ullrich

“wie fast alle Verdächtigen kein Schuldbewußtsein gezeigt habe.”

Wenigstens ist die kommentierende Redakteurin, wenn auch vermutlich unabsichtlich, ehrlich. Die wenigsten werden so offen vorverurteilen. Aber es zeigt, wie sehr uns allen, aber vor allem den Medien, allgemein – aber insbesondere in Bezug auf Doping (im Radsport) – die rechtlichen und moralischen Kategorien verschwimmen.

Das ist ein Problem bei dem wohl auch ein später Unschuldsbeweis für Jan Ullrich nicht helfen würde.

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Fußball, Sport

Wir wollen doch nur spielen. In der ersten Bundesliga.

Als Hans Meyer, Trainer des 1. FC Nürnberg, gestern Abend im Aktuellen Sportstudio seine Fußballphilosophie dahingehend beschrieb, daß er seinen Profis immer wieder klarmache, daß es sich bei ihrem Beruf um ein “Spiel” handele, da war mir klar warum er sich – abseits aller Rivalität auf dem Platz – mit Jürgen Klopp so gut versteht. Denn das Spielerische, das “Spielen wollen”, ist vielleicht das wesentlichste Merkmal der von Klopp trainierten und oft etwas abschätzig als “Karnevalsverein” bezeichneten Mannschaft.

Natürlich ist es nicht immer einfach, ein solches Prinzip hochzuhalten, wenn es nicht in der eigenen Natur liegt und die sportliche Situation keinen Anlaß zu Jubelarien gibt – so wie es in der gesamten Hinrunde für Mainz 05 der Fall war. Sollte Nürnberg unter Hans Meyer einmal in eine solche Situation geraten, würde sich schnell herausstellen, ob auch in Nürnberg der Verein und das Umfeld seine für den Profifußball schließlich geradezu wesensgehaltsverändernde Einstellung teilt.

In Mainz wußten wir das zwar schon immer. Aber auch ein wenig Selbstvergewisserung ist manchmal ganz angenehm – erst recht, wenn sie so unprätentiös und dennoch pathetisch formuliert ist, wie in diesem NEON-Forums-Artikel von “beenerin.

“Die Hoffnung nicht aufgeben. Den Glauben nicht verlieren. „Jetzt erst recht!“ zierte als Schriftzug die Caps und Mützen von Spielern und Trainerstab. Und: „Wir können das hier noch wenden!“, wurde Kloppo nicht müde zu beteuern. „Mainz ist noch nicht abgestiegen, auch wenn das manch einer jetzt schon glaubt!“, beteuerten Präsident und Manager einheitlich und mit fester Stimme.

Und die Fans? Standen zu ihrer Mannschaft, ohne sich erkennbare Vertrauensmängel anmerken zu lassen. Natürlich schummeln jene, die sagen sie hatten keinen düsteren Moment gehabt, in dem ihnen der rechte Glaube fehlen wollte. Und selbstverständlich hat man das Stadion oder die Kneipe öfter mal verlassen und geflucht über den Grottenkick, neben dem einem mehr Bier in den Hals geflossen war als geplant – oder man sich im Stadion auf deutsch gesagt den Arsch abgefroren hatte: und für was? Aber nichts brachte die Besetzung der Mainzer Fanblocks dazu, ihre Unterstützung für das Team oder den Verein aufzugeben: es wurde mit-gekämpft.

Die Spieler wurden nach jeder Heimniederlage mit einem überzeugten „Auswärtssieg“- Sprechgesang angefeuert, Trainer und die Buben in rot-weißen Shorts nie angefeindet oder gar ausgebuht. Als die Mannschaft auf den letzten Platz abrutschte, bekräftigten die Fans ihren Zusammenhalt mit dem Verein, in dem sie Transparente trugen, auf denen zu lesen war, „Ich geh mit meiner Laterne!“. Und heute, wo in Mainz plötzlich ein Spiel nach dem anderen gewonnen wird, da gibt es keinen Fan, der sich nicht sicher ist, einen Anteil am wiedergekehrten Erfolg zu haben. „Weil, ich hab doch immer an die Jungs geglaubt. Und an den Kloppo. Der macht das schon!“

Das ist mein Verein.”

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Fußball, oddly enough, Sport

Abstiegskampf.

Sicher, in München ist der Abstiegskampf eher ein Kämpfchen, und dann auch noch eines, das sich hauptsächlich im Kopf der dort auf und neben dem Platz Aktiven abspielt. Anders sieht das eben im Moment für die gesamte zweite Tabellenhälfte der Bundesliga aus, auch für Mainz 05, trotz der 13 Punkte aus den letzten 5 Spielen.

Inwieweit daher das Kompliment, das Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, am Montag mit Bezug auf den anstehenden Champions League Auftritt der Bayern bei Real Madrid den Mainzern laut Standard.at machte –

“Ich bin neugierig, was wir da abliefern werden. Ich hoffe, Besseres als die letzten Monate”, stichelte Rummenigge, der den Münchner Profis am Rosenmontag sogar den “Karnevalsverein” Mainz 05 in punkto Leidenschaft als Vorbild empfahl. “Wenn ich sehe, wie die in der Bundesliga ums Überleben kämpfen – das würde ich mir auch von unserer Mannschaft wünschen.” –

für die Seinen eine übers Rhetorische hinausgehende Bedeutung haben kann, sei mal dahingestellt.

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Können Täuscher getäuscht werden?

Eine überaus berechtigte Frage. Hans Leyendecker berichtet auf SZ-online, daß Jan Ullrich möglicherweise doch bereit sei, wegen der Doping-Anschuldigungen gegen ihn einen DNA Test zu machen.

In einem Schreiben vom 22. Januar 2007 teilten seine deutschen
Anwälte der gegen Ullrich wegen Betrugsverdacht ermittelnden Bonner
Staatsanwaltschaft mit, der Sportler sei bereit, eine Speichelprobe in
Deutschland abzugeben. Das Erbmaterial soll danach mit Blut verglichen
werden, das im Mai 2006 beim spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes
gefunden worden ist und von Ullrich stammen soll. Ullrich bestreitet einen
Kontakt zu Fuentes.

Die ganze Affäre um Ullrichs angenommene Zusammanarbeit mit dem spanischen Arzt erscheint mir immer noch mehr als undurchsichtig: allein die Codenamen, die Fuentes in seinem Doping-Log für Ullrich und seinen sportlichen Berater Pevenage verwendet hat, sind so offensichtlich, daß es stutzig machen muß. Klar, vielleicht ist auch das Strategie oder Nachlässigkeit. Aber ist das wirklich eine plausible Hypothese bei einem derart sensiblen und nicht zuletzt strafrechtlich relevanten Vorgehen? Bei mir zumindest bleiben da Zweifel.

Zweifelhaft ist allerdings auch Jan Ullrichs Verhalten. Auch wenn ich seine bisherige Weigerung, eine Dopingprobe abzugeben, aus rechtsphilosophischen Gründen für überaus angemessen halte – gerade weil der zunehmenden technische und ökonomischen Verfügbarkeit von DNA Analysen eine natürliche Tendenz zur Beweislastumkehr innewohnt -, wäre es für einen Radprofi im letzten Drittel seiner Karriere doch eher ungewöhnlich den Märtyrer auf dem Altar der Rechtsphilosophie zu geben anstatt den – problematischen – Unschuldsbeweis anzutreten und befreit in die Vorbereitung auf die Saison 2007 zu gehen.

Und jetzt plötzlich doch eine DNA-Probe für den Unschuldsbeweis? Ich hoffe, seine Anwälte und sportlichen Berater haben nicht den Überblick verloren und beginnen, sich selbst zu täuschen, auch wenn Täuschung, wie Hans Leyendecker bemerkt, Teil der Verteidigungsstrategie sein könnte, im Fall der Fälle:

Für den Fall, dass Blut und Speichelprobe übereinstimmen sollten, könnten nach Ansicht von juristischen Experten die Anwälte womöglich argumentieren, Ullrichs früherer Arbeitgeber Telekom sei gar nicht von ihm getäuscht worden. Denn obwohl in den Verträgen mit Radsportprofis das Dopen strikt verboten ist, gilt die Radsportbranche als dopingverseucht. Wenn aber das Milieu ein Sumpf ist, dann gibt es auch keine einzelnen Sumpfblüten mehr.

Wer weiß, vielleicht haben ja sowohl der Richter als auch die Verteidiger den entsprechenden Themenabend bei Dr. House auf RTL gesehen, auch wenn der wohl eher an Lance Armstrong erinnern sollte. Die Episode “Tanz ums Feuer” (“Spin” im Original, englisch) wurde schließlich erst Ende November ausgestrahlt.

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Mainz gewinnt wieder: 14 Punkte.

Wer hätte das gedacht? Drei Wochen Winterpause und ein paar Gespräche mit eigens engagierten Motivationstrainern und Mainz 05 ist wieder ganz die alte Mannschaft – ein Team, das Zweikämpfe sucht und meistens gewinnt, das sogar in der Offensive mal einen Akzent zu setzen weiß, auch wenn heute in Bochum nur ein Tor heraussprang. OK, die Neuzugänge der Winterpause haben sicher ihren Teil dazu beigetragen, auch heute auf dem Platz, aber der Kern der Mannschaft war der gleiche, der sich vor gut zwei Monaten von Schalke 04, Bayern München und dem SV Werder Bremen abschlachten ließ.

Es sieht so aus, als ob sich das Sprichwort hier bewahrheiten könnte: Was nicht tötet, härtet ab. Ergebnis des 18. Spieltags der Fußball-Bundesliga: Immer noch Letzter, aber gegen einen direkten Konkurrenten zwei Punkte auf den 15. Tabellenplatz gut gemacht.

Im übrigen gibt es auch heute nicht nur schlechte Nachrichten für Bochumer, zumindest, wenn sie Anhänger von Wattenscheid 09 sind: Das war nämlich laut Arena-Kommentar der letzte Verein, der es mit nur einem Sieg in der Hinrunde geschafft hat, den Abstieg noch zu verhindern…

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Placebo Heimvorteil

Ob das wohl Brasilien beeindrucken wird? Der Heimvorteil ist eine statistische Realität – und trotzdem soll er ein Placebo sein. Da stellt sich doch die Frage, ob die vom “Stern” betriebene pschologische Aufklärung angesichts solcher Thesen nicht eigentlich Landesverrat ist?

“Es gibt den Heimvorteil”, sagt der Münsteraner Sportpsychologe Bernd Strauß, der zu dem Thema habilitiert hat. ‘Aber er findet im Spieler selbst statt.’

‘Statt höhere Mächte anzurufen, muss der Heimvorteil erarbeitet werden.’ Er existiere nur, wenn die Spieler Selbstvertrauen hätten und an den Vorteil im heimischen Stadion glaubten. ‘Da muss ein Teamspirit erarbeitet werden und die Spieler müssen sich immunisieren gegen den öffentlichen Druck’, rät Strauß.”

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Thurk zu Friedrich für Deutschland.

Der beste Kommentar zur Spätberufung des Mainzer Innenverteidigers Manuel Friedrich in den Nationalkader kommt zweifelsohne von seinem Kollegen Michael Thurk –

05-Stürmer Michael Thurk gewann der Nominierung des Abwehrspielers auch aus anderem Grund Positives ab. “Da kann sich Manuel jetzt einen Mercedes bestellen. Der DFB-Sponsor gewährt Nationalspielern 20 Prozent Rabatt.”

Quelle: Kigges.de/forum

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