More money twenties from switzerland
Economics, finance

Kontext zum Fall Hoeneß: Banken, Beratung, Steuerrecht und Moral.

Selten so viele gute Fragen und auch ein paar Antworten zum Fall Hoeneß auf einer Seite gesehen wie bei Matthias Kroener, dem bloggenden Vorstandsvorsitzenden der Fidor Bank AG: Hoeneß & Vontobel: Fragen über Fragen…

Endlich nimmt auch jemand mal die Rolle von Hoeneß Bank ins Visier, die sich aus meiner Sicht bisher elegant aus der Diskussion raushalten konnte, vielleicht weil Hoeneß lieber in den Knast geht als als inkompetent dazustehen (oder: insert „Verschwörungstheorie zum Thema Fußballtransfers“). Nachdem das Urteil des Landgerichts durch den beiderseitigen Verzicht auf Revision gültig ist und Uli Hoeneß seine Haftstrafe antreten wird, sollte man das Kapitel ja eigentlich beenden.

Und trotzdem. Als Antwort auf das doch eher schwachbrüstige Interview mit dem Moralphilosophen Julius Schälike auf zeit.de vor ein paar Tagen, der doch tatsächlich meinte, in der spezifischen aktuellen Struktur der Besteuerung von Finanztransaktionen einen inhärente Moral zu sehen, gegen die Hoeneß bewußt verstoßen habe, hier ein Zitat aus dem verklinkten Artikel. Wenn man hier etwas erkennen kann, dann, daß es eines in dem Bereich eben nicht gibt: moralische Prinzipien, die in irgendeiner Weise als Grundlage von Besteuerung dienen (können). Der Umkehrschluß ist nicht ganz so einfach, weil ja Vorsatz bestehen muß. Und selbst der wird ja juristisch nicht immer ganz nachvollziehbar fingert, vermutlich besonders dann, wenn die Situation auch nach einem Verfahren so unklar ist wie in diesem Fall.

Alexis Eisenhofer, Gründer und Chef von financial.com, kommentiert auf Facebook: “Hätte Uli die Trades in einem Spezialfonds durchgeführt, wäre die Steuer erst bei der Anteilsrückgabe angefallen – eine Ausschüttung auf die private Ebene aber gab es wohl nie. Dann wäre die ganze Steuerdiskussion hinfällig, weil es auch nach deutschem Steuerrecht bei Fondsumschichtungen keine Steuer gab/gibt. Das ist die wirkliche Tragik an der Geschichte. Der Uli wurde einfach falsch beraten.”

Standard
Economics

Dismal Science Update – What kind of economics should we teach?

Hey, maybe the economic crisis will have a bit of a lasting effect on incentives, after all – if only indirectly. On January 20th, the London School of Economics and Political Science’s Department of Economics will hold a public debate entitled „What kind of economics should we teach?“ to address some of the more pressing problems of the current economics curriculum –

„The recent global crisis has lead to questions being asked about whether the kind of economics being taught to students in leading economics departments was responsible for the widespread failure to predict the timing and magnitude of the events that unfolded in 2008. Critiques range from an absence of historical context in mainstream teaching of economics to excessive reliance on mathematical models. This panel brings together four leading economists to debate this issue and to discuss what changes in the economics curriculum and the way that it is delivered are desirable.“

To be fair, there are probably worse places for such a debate than the LSE.

Standard
almost a diary, Economics, German Politics, intellectual property rights, internet, media

Manifestieren.

Im vergangenen April, auf der Republica 2009, habe ich Stefan Niggemeier nach der gnadenlos langweiligen Blogger vs. Journalismus-Diskussion zwischen zwei Radiointerviews zum Thema noch gefragt, ob es ihn nicht langweile, seit Jahren mit den gleichen Leuten immer die gleichen Dinge zu diskutieren. Er meinte schlicht – „ja“.

Aber er begreift diese Diskussionen wohl auch als eine Art öffentliche Dienstleistung, als Bohren verdammt dicker Bretter vor den Köpfen mancher Menschen, die immer größere Schwierigkeiten haben, die sich progressiv virtualisierende Realität in ihre mentalen Interpretationsschemata zu pressen, so wie sie das beim Ausdrucken von Netzinhalten auf Din-A4-Seiten versuchen. Das Netz hat halt keine Seitenbegrenzungen.

Die Überwindung dieses konzeptionellen Grabens und die zumindest tendenzielle Beantwortung der wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen, die sich aus der Digitalisierung, dem Informationsparadoxon und der so immer schlechter funktionierenden „unsichtbaren Hand“ des Marktes ergeben sind eine Generationenaufgabe, in der man Redundanz vermutlich vor allem als eine Art kognitives Stützrad ansehen muß. In der Wiederholung liegt zumindest ein Teil der Kraft, denn Ideen, die sich nur als Folge von Zeichen, nicht aber in Köpfen manifestieren, sind eigentlich keine. Die Annahme der Aufgabe, mit Redundanz mentale Überzeugungsarbeit zu leisten, ist daher auch ein Zeichen der Anerkenntnis von gesellschaftlicher Verantwortung.

Der Weinerlichkeit des Heidelberger Appels und der Hamburger Erklärung wird heute von einigen Journalisten und Bloggern eine Alternative entgegengesetzt, die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit annimmt, und nicht den Untergang des Abendlandes, sollte bei diesem Internet nicht bald mal jemand den Stecker ziehen. Steht nix Neues drin, klar, und Probleme werden darin auch nicht gelöst. Wie auch? So geht das eben nicht. Das ist ja gerade der problematische Punkt an der Sache.

Aber das Manifest ist – wie die Piratenpartei und wie der Kulturkampf um die Netzsperren in diesem Sommer – ein Zeichen für die in meiner Generation wachsende Erkenntnis, daß man sich nicht mehr unter Berufung auf vermeintliche oder tatsächliche superiore Sachkenntnis oder die nicht seltene Unterträglichkeit von institutionellen Auseinandersetzungen aus diesen heraushalten darf. Der Preis wäre zu hoch.

Und daher werde auch ich das an sich redundante Internet-Manifest mitzeichnen, sobald es die Möglichkeit dazu gibt.

Standard
Economics, finance

Yes, Prime Minister?

More Krugman – Moment of Truth – NYTimes.com.

„Let’s talk about where we are right now.

The current crisis started with a burst housing bubble, which led to widespread mortgage defaults, and hence to large losses at many financial institutions. That initial shock was compounded by secondary effects, as lack of capital forced banks to pull back, leading to further declines in the prices of assets, leading to more losses, and so on — a vicious circle of “deleveraging.” Pervasive loss of trust in banks, including on the part of other banks, reinforced the vicious circle.

The downward spiral accelerated post-Lehman. Money markets, already troubled, effectively shut down — one line currently making the rounds is that the only things anyone wants to buy right now are Treasury bills and bottled water.

The response to this downward spiral on the part of the world’s two great monetary powers — the United States, on one side, and the 15 nations that use the euro, on the other — has been woefully inadequate.

What should be done? The United States and Europe should just say “Yes, prime minister.” The British plan isn’t perfect, but there’s widespread agreement among economists that it offers by far the best available template for a broader rescue effort.“

Standard
Economics, finance

For every DOWnside, there’s an upside.

With the DJIA falling below 9000 points today, it’s reassuring to know that, right?
Paul Krugman, in his Blog at the NY Times
reminds us that

„[o]n a separate note, one good thing is that there haven’t been any reports of people on Wall Street jumping out of windows. That’s because the windows in modern office buildings don’t open.

He’s had a busy day commenting, find the rest here. Including a link to a 38-page pdf-file full of recommendations from economists to policy makers ahead of the upcoming summit season. It’s been published by voxeu, edited by Barry Eichengreen and Richard Baldwin and it’s aptly called „Rescuing our jobs and savings: What G7/8 leaders can do to solve the global credit crisis„. Let’s hope some of the people representing out jobs and savings at these talks will actually read it.

Standard
Economics, finance, US Politics, USA

Paul Krugman agrees…

in the NYTimes after the US House of Representatives voted „no“ on the Wall Street bailout plan. He’s right of course, that „flip-flopping“ on issues like this in the way it happened isn’t exactly a sign of a well functioning representative democracy. On the other hand, it’s also true that this vote is a sign that Congress still matters, even if it needed a figure with 11 zeros to balk at the administration. So, does that make the US a Banana Republic as Krugman argues? I think the decision on that is still out – after all, the bailout plan would/will have distributive consequences that would have/will make made the US income structure even more reminiscent of a classic Banana Republic.


Paul Krugman – OK, we are a banana republic

Standard