facebook status, German Politics, politics

Audience fragmentation oder völkische Echokammern?

Montags-Mahnwachen von links? Pegida von rechts? Die Formen der Protestbündelung im vergangenen Jahr entzieht sich einer klaren Verortung.

Ist das nur die irgendwann zu erwarten gewesene Konsequenz aus der sozialen und medialen Fragmentierung, des Endes des semantischen Gate-Keepings, auch und vor allem durch das Internet, die jetzt auch im „echten“ Leben als Demonstrations-Echokammer ihren Ausdruck findet? Werden wir uns an eine Art quasi-Pillarisierung und stärkere Meinungskonstraste in der öffentlichen Debatte gewöhnen müssen, wie sie die politische und mediale Landkarte in den USA schon deutlich zeigt?
Jutta Ditfurth beschreibt im Interview mit Gerd Scobel zwar das Echokammer-Phänomen aus ihrer Sicht, aber sieht darin etwas, das der Fragmentierungs- und Echokammerthese ja eigentlich widerspricht – http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=48407 –

„Man sieht jetzt im Moment etwas in der Nahsicht etwas, was später in deutschen Geschichtsbüchern verwischt aussehen wird. Man kann jetzt sehr genau beobachten, im Detail beobachten, wie völkische Bewegungen entstehen.“

Ich sehe das bei aller Peinleichkeit der Veranstaltungen ehrlich gesagt (noch?) nicht, und ich weiß auch nicht, ob es wirklich so sinnvoll ist, hier Motivzuschreibungen vorzunehmen, die ja vor allem eigene Projektionen sind.

Speaking of Projektionen… die gehören ins Kino.
http://youtu.be/Wmilvm3KIgw

#pegida

Ursprgl. veröffentlicht auf facebook.

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compulsory reading, media

Marcel Reich-Ranicki is pretty cool, indeed.

There was a time, when one of Germany’s most interesting tv shows was one about books. The show was called „The Literary Quartet“ („Das literarische Quartett“) and its impressario was Marcel Reich-Ranicki, allegedly the most important contemporary critic of German literature (wikipedia entry in English).

Yesterday, he attended the the German television awards („Deutscher Fernsehpreis“), where he was supposed to be honored for his livetime achievements. But then, on stage, he refused to accept the award because of (my translation) all the bollocks we have seen here today.“

The apparently shocked presenter, Thomas Gottschalk, offered Reich-Ranicki a programme in which he could talk to the heads of German broadcasters about the quality of their programmes, which seemed to placate the laureate and apparently led him to later accept the price out of politeness.

Stefan Niggemeier, a media journalist, has more about this (in German) and notices that Reich-Ranicki probably had a point that goes beyond the quality of television programmes – MRR will Fernsehquatschpreis nicht.

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Bürgerrechte, Datenschutz, Political Theory

This is winning.

Via netzpolitik.org, I find a commentary by Rop Conggris about the new fundamental right to „privacy and integrity of information processing systems“ which was defined last Wednesday by the German Constitutional Court – Today, we’re all Germans.

„It would of course have been even nicer if the Germans had actually managed to elect a government that didn’t attempt to trample their most basic rights to begin with. But then constitutions are there as a safety-net for precisely this eventuality. They are written because the framers realized that when it comes to governments, shit (such as in the form of oppressive laws) sometimes happens.

So the people of Germany seem to be successfully defending themselves against their government. What’s wrong with the rest of the world? There have been plenty efforts in many other countries to defend the notion of privacy, but the Germans have simply been provided with better and sharper tools for defending themselves. Their sharpest tool by far is this federal constitutional court. Without it, I fear Germany would have long been in the same sorry state as my own country. I hope all Germans realize that the judges and support staff that make up this court are the one single thing that stands between today’s Germany and a police state.“

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Datenschutz, German Politics, Germany, internet, privacy

„The privacy and integrity of information processing systems“

Striking down state (Land) legislation from Nordrhein-Westfalia that allowed the use of trojan software to spy on individual’s computers, the German constitutional court (Bundesvrfassungsgericht) has derived from the fundamental legal premises of the German constutiton a new basic right to „privacy and integrity of information processing systems“ (my quick and dirty translation). As a basic right, it can only be infringed given very specific circumstances – in this case, the court explicitly mentioned „specific“ threats to the life and liberty of individuals, or „concrete“ threats to the state.

It will obviously depend on legislative interpretations of the court’s ruling to see whether it’s possible to speak of a „loophole“ in the basic right, as Spiegel Online English does. My guess is not, as politicians will not want to get slapped in the face by the Constitutional Court again, and the court will rule on two more privacy related cases soon.

While the court’s ruling will have to be studied in detail to understand its intentions more clearly, this is clearly a landmark decision with respect to the question of how to balance the state’s desire to gather information to protect its citizens and ensure the rule of law with the citizens‘ right to privacy.

The Chaos Computer Club’s Andreas Bogk’s, who serves as an expert at the court, likenes the verdict to the census ruling in 1983, which derived a basic right to informational self determination and paved the way for privacy protection legislation.

Netzpolitk.org (German) has everything and then another link and quote regarding the verdict and the unfolding media coverage.

Some more links in English – BBC, WSJ, Bloomberg.

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Bürgerrechte, Datenschutz, German Politics, internet, privacy

Stasi 2.0 – DEMO IN WIESBADEN

Der Flyer sagt eigentlich alles. Aus der Ankündigung –

„Parallel zur Großdemonstration in Berlin initiiert der Chaos Computer Club Mainz einen Protestmarsch in der Hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Gemeinsam wollen die Demonstranten zeigen, dass sie nicht mit der “Sicherheits”-Politik hierzulande einverstanden sind. Sie Protestieren gegen den Bundestrojaner ebenso wie gegen die Vollprotokollierung der gesamten innerdeutschen Kommunikation.“

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compulsory reading, German Politics, Political Theory

Das Ende vom Links.

Es war einmal eine Zeit, da war es „cool“, „links“ zu sein, zumindest, wie Bertrand Russel uns lehrt, solange man jung noch war. Damals hatte „links“ auch noch eine geringe inhaltliche Komponente, die über die a priori-Annahme hinausging, das alle wirtschaftlich und gesellschaftlich Schwachen allen wirtschaftlich und gesellschaftlich Starken moralisch überlegen sind.

Auch wenn schon die Absurdität einer solchen Annahme für jedes politische Engagement, das ja zumeist mit der relativen Veränderung wirtschaftlicher und sozialer Rangordnungen einhergeht, die empirische Bestätigung durch jahrzehntelange sozialistische Feldversuche eigentlich nicht benötigte.

Insofern hat es sicher auch sein Gutes, daß „links sein“ für Gregor Gysi, einem der Fraktionsvorsitzenden der „LINKEN“ im deutschen Bundestag, bedeutet, „gegen Armut zu sein“, wie er kürzlich in einer Talkrunde zum Thema „Mindestlohn“ erwähnte. Wow. Das ist tiefgründig.

Angesichts der Inhaltsleere solcher Aussagen möglicher Vordenker sollte es nicht überraschen, daß sich Linkssein für Jugendliche heute vor allem in einer „Ich bin dagegen! Worum gehts?“-Haltung erschöpft, manchmal verbunden mit Aktionen, die ein diffuses Unwohlsein mit einem ebenso diffusen moralischen Bewußtsein verknüpfen. Zumeist argumentationslos und faktenleer.

Ein Beispiel ist die Aktion „I don’t like G8“, über die ich über ein Banner auf einem anderen Blog gestolpert bin – eine Revolution dürfte dabei allerdings nicht herauskommen.

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compulsory reading, oddly enough, USA

Pornopixel absurd.

Angesichts der Ubiquität von Nacktheit in westlichen Gesellschaften finde ich es überaus erstaunlich, welche Kontroversen Pornographie immer noch hervorrufen kann, und wie sehr man sie immer noch zur politischen und sonstigen Provokation heranziehen kann.

Gestern informierte die Süddeutsche Zeitung darüber, daß die Jungen Liberalen Niedersachsen in Person ihres Vorsitzenden Christopher Vorwerk ihr Organisationsestablishment und die Parteiobrigkeit mit einer politisch unbequemen Version von „make love not war“ konfrontierten. Ein Unding sei es nämlich, daß

„[d]er Gesetzgeber den Geschlechtsakt zwischen 16-Jährigen [legitimiere, es ihnen aber] bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres [untersage,] dabei zuzusehen.“

Auch sollten Fernsehsender ab 24 Uhr Pornografie ausstrahlen dürfen. Denn

„[e]s geht darum, dass in den Medien mit zweierlei Maß gemessen wird. Gewalt und Leichen, aber kein Akt der Liebe.“

Auch wenn diese Forderung, den Jugendschutz zu lockern, politisch trotz des offensichtlichen Koalitionsangebots an das Privatfernsehen zur Zeit zweifelsohne chancenlos ist, rechtssystematisch ist sie meines Erachtens nicht a priori von der Hand zu weisen, wenngleich ich die Behauptung des jungliberalen Vorstands Florian Bernschneider –

„Jugendliche sind mit 16 Jahren alt genug, um selbst zu entscheiden, was sie ansehen“ –

für eher abenteuerlich halte. Allerdings sind auch die meisten Erwachsenen damit deutlich überfordert, so daß das Argument sowohl für die eine als auch für die andere Seite unbrauchbar ist. Ein Schelm übrigens, wer den beiden im Artikel zitierten Jungen Liberalen unterstellt, sie verfolgten ein spezifisches Eigeninteresse: Herr Vorwerck ist laut der Webseite der JuLis Niedersachsen 23 Jahre alt und somit sicher mehr Li als Ju, und auch Herr Bernschneider darf die Früchte der Volljährigkeit bereits seit einem Jahr genießen.

Ganz andere, deutlich gravierende Probleme mit Pornographie hat übrigens eine Lehrerin aus Norwich in Connecticut, wie Spiegel Online unter dem literarisch wertvollen Titel „Porno-Pop-Ups“ berichtet:

Die Aushilfslehrerin in einer Mittelschule von Norwich (US-Bundesstaat Conneticut) habe die Elf- und Zwölfjährigen absichtlich oder – vielleicht – fahrlässig mit Pornographie statt mit Englischunterricht behelligt, so der Vorwurf von Behörden. Jetzt hat der Norwich Superior Court die Lehrerin für schuldig befunden – weil sie den Kindern Pornographie gezeigt habe und diese somit seelischen Schaden erlitten haben könnten. Am 2. März soll über das Strafmaß entschieden werden – Amero drohen bis zu 40 Jahre Haft.

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demography

Netzbasierte Integration.

Der Blogbote informiert über einen in der Welt erschienenen Artikel von Süleyman Artiisik, der sich mit der Internet-Nutzun junger Türken in Deutschland auseinandersetzt. Auch wenn im Artikel die Befürchtung einer von ethnisch ausgerichteten Subnetzen geprägten Parallelwelt als nicht gegeben angesehen wird – denn zumeist würde das Netz für „Liebe und Flirten“ genutzt – kann man den Artikel auch anders interpretieren.

So wie sich z.B. in Saudi Arabien über das Netz und die schnelle Verbreitung von Mobiltelefonen neue Wege der geschlechtlichen Annäherung ergeben haben, über die die religiöse und kulturelle Autorität schon aus manngelndem Verständnis nur geringe Kontrolle haben, so scheint es auch im Falle der für türkische Immigranten gemachten Online Angebote zu sein –

Die beliebtesten Themen sind dabei Liebe, Flirt und Partnerschaft. „Besonders für ein türkisches Mädchen aus einer traditionellen Familie fällt es leichter, sich im Netz mit Männern auszutauschen als in der realen Welt“, sagt Kulmac. Viele dieser Mädchen hofften somit auf diese Weise den Mann fürs Leben zu finden.

Austausch mit Männern? Ob das nun eine Parallelwelt zur „offline-Realität“ vieler junger türkischstämmiger Frauen ist, oder, wie der im Artikel befragte Experte für sogenannte Ethnoportale, Kai-Uwe Hugger, meint, „[eine neue kommunikative] Zwischenwelt, [die] sie als Ressource für den eigenen Identitätsaufbau zu nutzen,“ das ist wohl eher zweitrangig.

Wichtig ist die Erkenntnis, daß das Netz seinen Beitrag zur kulturellen Integration zu leisten scheint. Trotz aller politischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht wurden und werden.

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Bürgerrechte, German Politics

Organisationskommitee zur rechtstaatlichen Abwicklung bürgerlicher Freiheiten im Namen ebendieser

Seit gestern läuft Endemols Version von Big Brother wieder im Fernsehen. Die gesamtstaatliche Variante ist auch schon in Planung. Das nächste Treffen des Organisationskommitees zur rechtstaatlichen Abwicklung bürgerlicher Freiheiten im Namen ebendieser findet am Freitag im Bundesrat statt – heise online – Biometrische Daten in Ausweisdokumenten wecken Begehrlichkeiten –

Die Aufnahme biometrischer Merkmale in Pass und Personalausweis sorgt für Streitigkeiten um die Nutzung der höchstpersönlichen Daten. So fordert der Innenausschuss des Bundesrates einen automatisierten Abgleich von Lichtbild und Fingerabdruck mit zentralen Referenzdatenbanken. Überdies sollen Sicherheitsbehörden die bei einer Kontrolle durch die Polizei ausgelesenen Passdaten nicht löschen müssen, soweit und solange diese etwa im Rahmen eines Strafverfahrens oder zur Gefahrenabwehr benötigt werden könnten. Ihre Wünsche listen die Innenpolitiker der Länder in den Empfehlungen der Ausschüsse für die Behandlung des Regierungsentwurfs zur Änderung des Passgesetzes und weiterer Vorschriften auf, die heise online vorliegen. Am Freitag sollen die Länderfürsten im Plenum des Bundesrates über die Vorschläge entscheiden.

Am Rande, vielleicht als Hinweis an die Unionspolitiker, die derartige Fragestellungen diskutieren – nach meiner Meinung wächst der Widerstand gegen zunehmende staatliche Kontrolle unter dem Vorwand der Gefahrenabwehr auch und gerade an der Parteibasis der CDU. Auch dort ist Benjamin Franklin ein Begriff.

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German Politics, Germany, US Politics, USA

Bush in Bild

For those of you, gentle readers, who do not engange in in-depth analysis of Germany’s tabloid newspapers, here’s a transcript of the US President George W. Bush’s interview with Kai Diekmann of BILD here’s the edited German version published by BILD. They met in the Oval office and discussed, among other issues, the rug-choosing dilemma every leader of the free world is facing. At least this one knows how to delegate.

Oh, and there’s a chance the US forces on German soil will have to do more than singing Karaoke in local Irish Pubs soon: Via SFGate, I noticed, that the President is not entirely sure about the state of democracy in Germany…

Zeroing in on the United States‘ ties to Germany and recalling that German troops did not help attack Iraq, Bush admits: „I’ve come to realize that the nature of the German people are such that war is very abhorrent, that Germany is a country now that is — no matter where they sit on the political spectrum, Germans are — just don’t like war…. The point now is how do we work together to achieve important goals. And one such goal is a democracy in Germany [sic].“ (The White House published its transcript with Bush’s glaring error and called attention to it.)

A part of the American blogosphere, on the other hand, was most excited to finally learn hrough the interview that President Bush’s best moment of all was

„when [he] caught a seven and a half pound perch in [his] lake.“

A little fishy, indeed.

I’m starting to wonder if we’re gonna miss him, after January 2009…

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