Fußball, oddly enough, Sport

Abstiegskampf.

Sicher, in München ist der Abstiegskampf eher ein Kämpfchen, und dann auch noch eines, das sich hauptsächlich im Kopf der dort auf und neben dem Platz Aktiven abspielt. Anders sieht das eben im Moment für die gesamte zweite Tabellenhälfte der Bundesliga aus, auch für Mainz 05, trotz der 13 Punkte aus den letzten 5 Spielen.

Inwieweit daher das Kompliment, das Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, am Montag mit Bezug auf den anstehenden Champions League Auftritt der Bayern bei Real Madrid den Mainzern laut Standard.at machte –

„Ich bin neugierig, was wir da abliefern werden. Ich hoffe, Besseres als die letzten Monate“, stichelte Rummenigge, der den Münchner Profis am Rosenmontag sogar den „Karnevalsverein“ Mainz 05 in punkto Leidenschaft als Vorbild empfahl. „Wenn ich sehe, wie die in der Bundesliga ums Überleben kämpfen – das würde ich mir auch von unserer Mannschaft wünschen.“ –

für die Seinen eine übers Rhetorische hinausgehende Bedeutung haben kann, sei mal dahingestellt.

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Bürgerrechte

netzpolitik.org macht depressiv.

OK. Eigentlich sind es die Themen, über die dort berichtet wird (und fast nirgendwo sonst). Aber ich hätte mir eigentlich denken können, daß es nicht so clever ist, mich vor dem Rosenmontagszug über die neuesten Auswüchse der deutschen Überwachungswut zu informieren. Wer liest, dem wird schlecht.

Wer nicht liest, dem dürfte allerdings in Zukunft noch viel schlechter werden. Ich denke übrigens über einen CDU-Eintritt nach – vielleicht kann man von innen effektiver gegen diese schleichende, freiwillige Selbstzerstörung der fundamentalen Grundlagen unseres Gesellschaftssystems vorgehen.

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demography

Netzbasierte Integration.

Der Blogbote informiert über einen in der Welt erschienenen Artikel von Süleyman Artiisik, der sich mit der Internet-Nutzun junger Türken in Deutschland auseinandersetzt. Auch wenn im Artikel die Befürchtung einer von ethnisch ausgerichteten Subnetzen geprägten Parallelwelt als nicht gegeben angesehen wird – denn zumeist würde das Netz für „Liebe und Flirten“ genutzt – kann man den Artikel auch anders interpretieren.

So wie sich z.B. in Saudi Arabien über das Netz und die schnelle Verbreitung von Mobiltelefonen neue Wege der geschlechtlichen Annäherung ergeben haben, über die die religiöse und kulturelle Autorität schon aus manngelndem Verständnis nur geringe Kontrolle haben, so scheint es auch im Falle der für türkische Immigranten gemachten Online Angebote zu sein –

Die beliebtesten Themen sind dabei Liebe, Flirt und Partnerschaft. „Besonders für ein türkisches Mädchen aus einer traditionellen Familie fällt es leichter, sich im Netz mit Männern auszutauschen als in der realen Welt“, sagt Kulmac. Viele dieser Mädchen hofften somit auf diese Weise den Mann fürs Leben zu finden.

Austausch mit Männern? Ob das nun eine Parallelwelt zur „offline-Realität“ vieler junger türkischstämmiger Frauen ist, oder, wie der im Artikel befragte Experte für sogenannte Ethnoportale, Kai-Uwe Hugger, meint, „[eine neue kommunikative] Zwischenwelt, [die] sie als Ressource für den eigenen Identitätsaufbau zu nutzen,“ das ist wohl eher zweitrangig.

Wichtig ist die Erkenntnis, daß das Netz seinen Beitrag zur kulturellen Integration zu leisten scheint. Trotz aller politischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht wurden und werden.

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intellectual property rights, music industry

Richter und Realität

Ein Richter am Amtsgericht in Meschede stellte ein strafrechtliches Urheberrechtsverfahren angesichts verbleibender zivilrechtlicher Ansprüche gegen den Angeklagten gegen Zahlung von 2300 Euro Geldbuße ein. Laut heise online soll sich der Richter folgendermaßen zum Thema geäußert haben:

[E]s [gebe] beim Thema „Raubkopie“ ein nicht besonders großes Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung. „Wenn man wahllos eine Durchsuchung machen würde, würde man vermutlich bei jedem Zweiten eine gebrannte CD finden“

Gebrannte CDs sind zwar nicht a priori illegal – meine zum Beispiel enthalten zumeist meine eigenen Songs – und es gibt schließlich auch nach wie vor ein Recht auf Privatkopie, wenn auch schon deutlich durchlöchert. Allerdings stimmt die Einschätzung natürlich tendenziell – wenn er auch noch nicht den nächsten gedanklichen Schritt vollzogen hat, nämlich den, nicht länger zu versuchen, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Veänderung der ökonomischen Struktur einer Branche zu wehren. Da ist er allerdings nicht allein – allerdings stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt.

Ob er wohl am Abend bei seinen Kindern nach gebrannten CDs gesucht hat?

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oddly enough, traveling

Mona Lisa’s Lächeln

Mona Lisa (source: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Mona_Lisa.jpg)ist schon was besonderes. Auch wenn ich persönlich das Bild weniger beeindruckend finde, als manch anderen Schatz, den es im Louvre zu bewundern gibt, ist das Bild Leonardo da Vincis wohl immer noch die massenwirksamste Attraktion des Museums. Bis zu 65.000 Besucher sollen es sein, tagein, tagaus, die sie sehen wollen. Definitiv zuviele, zumindest nach Auffassung der für ihre Sicherheit verantwortlichen Louvre Aufseher, die nun laut Spiegel Online für eine „Mona Lisa Zulage“ streiken.

Vor Leonardo da Vincis Bildnis der jungen Frau drängte sich immer die größte Schar von Besuchern. „Das Gequassel der Menge tut richtig weh“, sagte ein Aufseher heute. … Und immer wieder müsse man das Fotografieren mit Blitzlicht unterbinden.

Man sollte allerdings auch bemerken, daß der Amüsationsfaktor angesichsts der anwesenden Massen dort ebenfalls am größten ist. Als ich Mona Lisa zum ersten Mal gegenüber trat, stand rechts von mir ein amerikanisches Paar, dessen Ehrgeiz, sich mit klassischer europäischer Kunst auseinander zu setzen, seinem Patriotismus keinen Abbruch tat. Und so identifizierte die Frau nach einiger Überlegung konsequent, was dem Bild Leonardos zur tatsächlichen Perfektion fehlt:

„Would have been better, had it been painted in America.“

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Bürgerrechte, German Politics

Organisationskommitee zur rechtstaatlichen Abwicklung bürgerlicher Freiheiten im Namen ebendieser

Seit gestern läuft Endemols Version von Big Brother wieder im Fernsehen. Die gesamtstaatliche Variante ist auch schon in Planung. Das nächste Treffen des Organisationskommitees zur rechtstaatlichen Abwicklung bürgerlicher Freiheiten im Namen ebendieser findet am Freitag im Bundesrat statt – heise online – Biometrische Daten in Ausweisdokumenten wecken Begehrlichkeiten –

Die Aufnahme biometrischer Merkmale in Pass und Personalausweis sorgt für Streitigkeiten um die Nutzung der höchstpersönlichen Daten. So fordert der Innenausschuss des Bundesrates einen automatisierten Abgleich von Lichtbild und Fingerabdruck mit zentralen Referenzdatenbanken. Überdies sollen Sicherheitsbehörden die bei einer Kontrolle durch die Polizei ausgelesenen Passdaten nicht löschen müssen, soweit und solange diese etwa im Rahmen eines Strafverfahrens oder zur Gefahrenabwehr benötigt werden könnten. Ihre Wünsche listen die Innenpolitiker der Länder in den Empfehlungen der Ausschüsse für die Behandlung des Regierungsentwurfs zur Änderung des Passgesetzes und weiterer Vorschriften auf, die heise online vorliegen. Am Freitag sollen die Länderfürsten im Plenum des Bundesrates über die Vorschläge entscheiden.

Am Rande, vielleicht als Hinweis an die Unionspolitiker, die derartige Fragestellungen diskutieren – nach meiner Meinung wächst der Widerstand gegen zunehmende staatliche Kontrolle unter dem Vorwand der Gefahrenabwehr auch und gerade an der Parteibasis der CDU. Auch dort ist Benjamin Franklin ein Begriff.

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media, web 2.0

Besser spät als nie.

Kaum dreieinhalb Jahre nachdem ich meiner Schwester, die damals am Journalistischen Seminar der Uni Mainz einen Masterstudiengang absolvierte, den Vorschlag machte, doch zumindest im Rahmen ihres „online-publishing“-Seminars zu bloggen (oder den Vorschlag zumindest weiterzureichen), und fast zwei Jahre nach Lyssas Blog-Vorlesung am Gutenbergplatz hat nun auch das Journalistische Seminar der Uni Mainz ein Blog

Naja, besser spät als nie. Sollte sich jemand von dort hier her verirren – ein paar einleitende Worte zu Blogs und der journalistischen Ausbildung finden sich hier.

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Allgemein

Geschleift.

Friedrich Merz zieht sich unter Protest aus der Politik zurück (Welt.de) – Wieder einer, dem die Bretter schließlich doch zu hart zum Bohren waren. Friedrich Merz sieht offenbar keinen Sinn und Mehrwert in einem Bundestagsmandat mehr und wird bei der Bundestagswahl 2009 nicht mehr kandidieren. Ob nun berufliche oder politische Gründe den Ausschlag gegeben haben, wird wohl nie zu klären sein.

Sicher ist wohl nur, daß sich Merz – trotz all seiner Führungspositionen – in der CDU Angela Merkels nie wirklich wohl gefühlt hat, wohl nie wirklich wohl fühlen konnte. Auch hat er Deutschland und die politische Öffentlichkeit wohl nie verstanden, weder bei seinem Versuch sich mit einem frisierten Mofa und einer Matte selbst zu betrügen, als auch bei seinen zwar immer gedanklich scharfen, aber nie tragfähigen Reformvorschlägen. Auch seine Karriere nach der Aufgabe der Führungspositionen in Partei und Fraktion seit 2004 war aufgrund zahlreicher Nebentätigkeiten im Scheinwerferlicht – insbesondere im Zusammenhang mit der Affäre um die Entwicklung der deutschen Börse – nicht ohne öffentliche Reizpunkte.

Daß Merz nach Fraktionsvorsitz und anderen Parteiämtern nun den dritten,vermutlich letzten, Abschied erklärt, ist insofern vielleicht auch tatsächlich eine inhaltliche Aussage und nicht nur das übliche Füllsel für Rücktrittserklärungen von Politikern, die verstanden haben, daß ihre Zeit vorbei ist – selbst wenn sie nie wirklich gekommen war.

Ich war immer der Meinung, daß die CDU sich bei der Bundestagswahl 2005 selbst sabotiert hat, allerdings aus durchaus ehrenwerten Motiven. Im Angesichts des geradezu unvermeidbaren Sieges war vielen plötzlich klar geworden, daß sie einen Großteil der Forderungen aus ihrer Oppositionszeit umsetzen müßten, wenn es denn zu einer Koalition mit der F.D.P. gereicht hätte, das aber dem Land – und der Partei – nicht wirklich gut getan hätte. Nicht alles zumindest.

Im Frühjahr 2004 war Friedrich Merz zwar kein aufgehender Stern mehr, aber am Verglühen war er- trotz seines bekannt schlechten Verhältnisses zu Angela Merkel – auch noch nicht.

Was er damals vor Vertretern seiner Partei und der örtlichen ökonomischen Elite in einer rheinhessischen Kleinstadt äußerte, war für mich Anlaß, einen längeren Artikel auf Fistful Of Euros darüber zu schreiben, warum es ein klein wenig schwieriger ist, Deutschland zu reformieren – Reforming Germany: Just a little harder (english).

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Allgemein

Die üblichen Verdächtigen

Nach dem Urteil des BGH zur Nichtzulässigkeitn von verdeckten Onlinedurchsuchungen haben sich die üblichen Verdächtigen zu Wort gemeldet. Bundesinnenminister Schäuble, der noch vor gut einer Woche in Davos den Wert des Datenschutzes gegenüber seinem angeblich weniger zimperlichen US-Kollegen als gesellschaftstragend verteidigt haben soll, bezeichnete es laut Heise online als

„unerlässlich, dass Strafverfolgungsbehörden eine verdeckte Online-Durchsuchung durchführen könnten und forderte eine zeitnahe Anpassung der Strafprozessordnung.“

Die Gewerkschaft der Polizei verlangte offenbar darüber hinaus,

„mit der neuen gesetzlichen Regelung auch die Behinderungen durch das Datenschutzrecht zu beseitigen.“

Das kommt nicht überraschend: Selbst die hauseigenen Juristen beim BKA werden schießlich von ihren nicht nicht staatsexaminierten Kollegen mitunter als „Verhinderer“ bezeichnet. Überraschend dagegen sind die offenen Worte des bayrischen Datenschützers Karl Betzl, der heimliche Durchsuchungen als eines Rechtsstaats unwürdig bezeichnete. Laut Heise Online

„warnte [er] zudem vor immensen Schadenersatzforderungen gegen den Staat, falls Ergebnisse von Online-Durchsuchungen in die falschen Hände geraten. „Es ist unkontrollierbar, wie sich staatliche Ausforschungssoftware weiter verbreitet“… „Der Staat dürfte wohl auch für Trittbrettfahrer mithaften, die die staatliche Ausforschungssoftware missbrauchen.“

Der Bericht wirft außerdem einige bislang in der Öffentlichkeit weitgehend mißachtete Fragen auf:

„Neben den datenschutzrechtlichen Aspekten und den Erwägungen über Verletzung der Grundrechte kommen in der politischen Diskussion die technischen Unwägbarkeiten und die mögliche Unwirksamkeit eines Bundestrojaners und von Online-Durchsuchungen bislang allerdings kaum vor. Angesichts der heutzutage gegen kriminelle Machenschaften von Viren- und Trojanerschreibern sowie Botnetzbetreibern empfohlenen Schutzmaßnahmen für Internetnutzer dürften die Entwickler des Bundestrojaners mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, eine Online-Durchsuchung einfach so, wie sich die Politik dies vorstellt, zu realisieren – zumal Terroristen und Cyberkriminelle nicht dafür bekannt sind, sich völlig naiv im Web zu bewegen und willenlos jeden Mailanhang anzuklicken oder dubiose Webseiten zu besuchen.“

Aber „Realitätsbezug“ wird leider immer nur dann eingefordert, wenn es um die Schaffung staatlicher Zugriffsmöglichkeiten oder die Notwendigkeit der Abwägung von Bürgerrechten und Bürgersicherheit geht…

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Allgemein

Is my PC my castle?

Es soll Juristen geben, für die das heimliche Ausspähen eines Computers per Trojaner das gleiche ist, wie eine Hausdurchsuchung mit richterlichem Bescheid. Hoffen wir gemeinsam, daß es sich dabei nur um technologische Verwirrung handelt.

SPIEGEL online – Bundesgerichtshof entscheidet über heimliche Online-Durchsuchungen

Gerade erst wollte das Innenministerium die technischen Voraussetzungen für die Online-Durchsuchung von Computern verbessern. Doch erlaubt das Gesetz das heimliche Ausspähen der Festplatten überhaupt? Darüber entscheidet heute der Bundesgerichtshof.

Update: Die Verwirrung war wohl wirklich nur technisch – Die Zeit online

Nach Ansicht des BGH ist die Durchsuchung der im Computer eines Beschuldigten gespeicherten Daten mit Hilfe eines Programms, das ohne Wissen des Betroffenen aufgespielt wird (eines so genannten Trojaners), nicht durch die Strafprozessordnung gedeckt. Diese erlaube nur eine offene Durchsuchung. Für die heimliche Online-Durchsuchung fehle die »erforderliche Ermächtigungsgrundlage«, entschied der 3. Strafsenat.

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